Kausalitätstheorien und objektive Zurechnung

von Jean Marc Chastenier

Bei der Vielzahl aller Strafrechtsnormen handelt es sich um sogenannte „Erfolgsdelikte“, bei denen durch die Handlungen des Täters ein konkreter tatbestandlicher Erfolg eintreten muss, andernfalls ist der Straftatbestand nicht verwirklicht worden und eine Bestrafung des Täters bleibt aus. So ist der tatbestandliche „Erfolg“ beim Totschlag (§ 212 StGB) der Tod eines Menschens, während bei der Körperverletzung nach § 223 StGB der Erfolg in der Beeinträchtigung der körperlichen- oder seelischen Gesundheit des Opfers liegt. Zwischen dem eingetretenen Erfolg und der Tathandlung muss stets eine Verbindung (“Kausalzusammenhang”) bestehen, denn wenn der Täter den Erfolg nicht (kausal) bewirkt hat, so hat er ihn selbstverständlich auch nicht zu vertreten. Grundsätzlich muss niemand für eine Tat haften, die er nicht selbst verursacht oder zu vertreten hat. In dem Fall geht er mangels Tatbestandsmäßigkeit straffrei aus. Damit die Verwirklichung einer Straftat auch wirklich dem Täter zugerechnet werden kann, gibt es die Kausalitätstheorien. Mithilfe dieser ist es möglich zu prüfen, ob der Täter den Erfolg durch seine Handlungen herbeigeführt und dadurch zu vertreten hat. Die Kausalitätstheorien werden durch einen gesonderten Prüfungspunkt ergänzt, der objektiven Zurechnung.

I] Übersicht über die Kausalitätstheorien

1) Die Äquivalenztheorie / Bedingungstheorie Bekannt unter der lateinischen Bezeichnung „condicio sine qua non“ ist die Äquivalenztheorie ein zentrales Bemessungskriterium wenn es um die kausale Zusammengehörigkeit von Tathandlung und Taterfolg geht. Nach der Äquivalenztheorie ist die Tathandlung immer dann ursächlich für den Erfolgseintritt, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der konkrete Erfolg entfiele ...

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