Sprachgedanken – Wie heißt das eigentlich, was wir hier machen?

von Dr. Georg Neureither

Von Dr. Georg Neureither, Heidelberg

Juristen sind sprachlich einiges gewohnt und muten sich (und anderen) ebensolches zu: Da gibt es eine „Zeitschrift für Wirtschaftsrecht“, die einfach „ZIP“ heißt; da ist der in der Praxis führende Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, der „Palandt“, der praktisch nur in Abkürzungen geschrieben ist; da gibt es das Internationale Privatrecht (IPR), das entgegen seinem Namen nicht internationales, sondern im Wesentlichen nationales Recht zum Gegenstand hat. Aber dass die Spezialisten eines Rechtsgebiets gar nicht wissen, wie ihr Fach richtig heißt, das gibt es wohl nur im – tja, wie heißt unser Kind? Kein Vorschlag, sondern ein Ansatz:

In den Vorlesungsverzeichnissen der juristischen Fakultäten findet man Veranstaltungen zum Staatskirchenrecht wie zum Religionsverfassungsrecht, obwohl der Inhalt der Angebote bei näherem Hinsehen ähnlich oder gleich ist. Man findet ebenso betitelte Lehrwerke, außerdem solche zum Religionsrecht und zum Religions- und Weltanschauungsrecht, wobei sich auch hier der Stoff der Werke wenig bis nicht voneinander unterscheidet – von der „Handschrift“ der Autoren abgesehen. Vor etlichen Jahren inzwischen fand einmal ein mehrtägiger Kongress statt, der einzig zum Ziel hatte, zu erarbeiten, wie das heißen soll, womit sich die Teilnehmer (und viele andere) den lieben langen Tag beschäftigen. Auf einen Namen ihres Kindes konnten sich die Eltern auch danach nicht einigen.

Dass man ein Rechtsgebiet nicht „Staatskirchenrecht“ nennen will, wenn die Verfassung sagt: „Es besteht keine Staatskirche“ (Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 1 WRV), verstehe ich ...

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