LG Bonn: Keine Heimtücke bei “inniger Liebe”

von Maximilian Schmidt

Ein Urteil des LG Bonn stößt an die Grenzen des deutschen Strafrechtes – genauer: des § 211 StGB.

Ein 85-Jähriger wollte mit seiner dementen Frau sterben – aus Angst, selbst ein Pflegefall zu werden und sich nicht mehr um seine schwerkranke Frau kümmern zu können. Daher führte er einen Autounfall herbei, bei dem aber wider Erwarten nicht beide ums Leben kamen, sondern nur seine Frau. Nun musste sich der Rentner vor Gericht wegen Mordes verantworten.

Die objektiven Tatbestandsvoraussetzungen des § 211 StGB (Heimtücke) liegen vor. Er nutzte bewusst die auf der Arglosigkeit beruhende Wehrlosigkeit des Opfers aus, sodass seine Ehefrau den Angriff weder vorhersehen noch erwarten konnte. Allerdings fragt man sich, ob dieser Sachverhalt wirklich nach einer im Falle der Verurteilung wegen Mordes zwangsläufigen Verurteilung zur einer lebenslangen Freiheitsstrafe ruft. Das LG Bonn meinte hierzu: “Er hat sich selber bestraft, wie es schlimmer nicht sein kann.” Daher wollte man eine Verurteilung wegen Mordes vermeiden.

Möglich war dies über das subjektive Tatbestandsmerkmal der feindseligen Willensrichtung (grundlegend BGH v. 22 ...

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