Der erweiterte Suizid des Andreas L.

von Prof. Dr. Roland Kalb

Ein Gast­bei­trag von Prof. Dr. med. Ro­land Kalb

Man spricht von ei­nem er­wei­ter­ten Sui­zid, wenn im Rah­men des Selbst­mor­des an­dere Per­so­nen (meist Kin­der, Part­ner oder Mit­be­woh­ner) mit in den Tod ge­nom­men wer­den. Die fran­zö­si­sche Staats­an­walt­schaft kam zu der Ein­schät­zung, dass An­dreas L. den Flug­zeug­ab­sturz des Air­bus A320 mit 150 Men­schen an Bord be­wusst her­bei­ge­führt hatte.

An­dreas L. hatte in sei­ner Vor­ge­schichte eine de­pres­sive Phase. Wer ein­mal eine sol­che Phase hatte, hat eine er­höhte Wahr­schein­lich­keit, dass es zu wei­te­ren de­pres­si­ven Pha­sen kommt. Bei den be­trof­fe­nen Per­so­nen kön­nen sol­che de­pres­sive Pha­sen völ­lig ohne Grund aus hei­te­rem Him­mel kom­men, manch­mal quasi über Nacht oder auch nach see­li­schen Be­las­tun­gen. Bei wie­der­holt auf­ge­tre­te­nen de­pres­si­ven Phase wird eine Pro­phy­laxe mit ge­eig­ne­ten Me­di­ka­men­ten emp­foh­len (Li­thium, Carb­a­ma­ze­pin etc.). Jede de­pres­sive Phase be­darf ei­ner me­di­ka­men­tö­sen The­ra­pie mit ge­eig­ne­ten An­ti­de­pres­siva (SSRI etc.). Akute De­pres­sio­nen ma­chen den Pa­ti­en­ten im All­ge­mei­nen ar­beits­un­fä­hig. Schwere De­pres­sio­nen und De­pres­sio­nen, bei de­nen akute Selbst­mord­ge­dan­ken auf­tre­ten, soll­ten un­be­dingt sta­tio­när be­han­delt wer­den. Eine Eigen-​​ oder Fremd­ge­fähr­dung ist oft nur in ei­nem län­ge­ren, ver­trau­ens­vol­len Ge­spräch un­ter Hin­zu­zie­hung ei­nes An­ge­hö­ri­gen (Fremd­ana­mnese) fest­zu­stel­len ...

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