Ehre, wem Ehre gebührt

von Mirko Laudon

Schön länger war hier nichts mehr von Thomas Fischer zu lesen, der nun allwöchentlich für die „Zeit“ schreibt. Lesenswert ist es allemal, wird aber trotzdem sicher nicht jedem gefallen. Muss es allerdings ja auch nicht.

In dieser Woche widmet sich Fischer unter dem Titel „Habe die Ehre“ den Ehrdelikten (§§ 185 ff. StGB) im Strafgesetzbuch. Zweifellos zählt die „Ehre“ zu den unbestimmtesten Rechtsbegriffen, die das Strafgesetzbuch vorhält. Dennoch nehmen auch andere Normen auf diesen Terminus Bezug: So soll eine (ansonsten strafbare) Notwehrhandlung gerechtfertigt sein, wenn diese erforderlich ist, einen Angriff auf die Ehre abzuwenden.

Was ist „Ehre“ überhaupt?

Fischer schreibt dazu (in seinem Kommentar – nicht in der „Zeit“), die Ehre ist ein personales Rechtsgut des individuellen Menschen. Ein als normativer Ehrbegriff bezeichnetes Verständnis differenziert zwischen dem ethischen Wert einer Person, den diese unabhängig von sozialer Anerkennung hat, ihrem sozialen Wert im Sinne einer Anerkennung von Leistungen und Eigenschaften für die Erfüllung sozialer Rollen (Rn. 3 vor § 185 StGB m.w.N.).

Dabei kommt es für den §§ 185 ff. zugrundeliegenden Ehrbegriff weder darauf an (Achtung, liebe Nachbarn!), , welchen Wert eine Person zu haben meint oder auf dessen subjektive Empfindlichkeit, noch auf den vermeintlich in Mitleidenschaft gezogenen „guten Ruf“. Es geht vielmehr um einen Minimalstandard, den jede Person zu Recht für sich beanspruchen kann, weil er sozial anerkannten (Verhaltens-) Erwartungen entspricht.

Eine Beleidigung ist übrigens nicht auf eine bestimmte Form beschränkt, sondern kann wörtlich, schriftlich, bildlich oder auch durch schlüssige Handlungen (Mimik, Gestik oder sonstige Körperbewegungen) erfolgen, was uns zum nächsten Problem bringt ...

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  • Beleidigung: Habe die Ehre!

    zeit.de - 236 Leser, 7 Tweets - Die Strafbarkeit von Ehrverletzungen ist umstritten. Aber was bedeutet "Ehre"? Woher kommt sie? Und warum verteidigen wir unsere Ehre so verbissen? Die Rechtskolumne

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