Nudging: nicht wirklich neu und auch – ohne Kontextualisierung – nicht weiterführend

Einige klarstellende Bemerkungen vorweg. Wenn Emanuel Towfigh und Chrisitan Traxler in ihrem Beitrag „Nudges polarize!“ vor allem die unterschiedlichen Denkweisen von staatsgläubigen deutschen Juristen und staatsskeptischen angelsächsischen Juristen und vor allem Nicht-Juristen für diese Polarisierung verantwortlich machen, so hilft dies nicht wirklich weiter. Es mag zwar sein, dass die typischerweise eher begriffskonservative deutsche Juristenzunft mit neuen Begriffen zunächst etwas fremdelt – dies war und ist beim Governancebegriff nicht anders – aber dass Juristen wegen ihrer Ausbildung und den von ihnen zu absolvierenden Staatsexamen generell und bis an ihr Lebensende staatsvergötternd denken, scheint mit die Realität nicht zu treffen, wie gerade die von Towfigh und Traxler hervorgehobene „Neue Verwaltungsrechtswissenschaft“ zeigt; ein Disziplinen-bashing scheint mir daher nicht hilfreich zu sein.

Meine nachfolgenden kritischen Bemerkungen mache ich übrigens nicht als juristischer Dogmatiker, sondern als ein sozialwissenschaftlich informierter Verwaltungswissenschaftler, der sich schon lange mit Steuerung und Governance beschäftigt. Setzt man nun, wie ich dies tue, die verwaltungswissenschaftliche Brille auf, so zeigen sich zwei Dinge: erstens, dass das Nudging-Konzept keinen Neuigkeitswert für sich beanspruchen kann und dass es – zweitens – in den Kontext zeitgemäßer steuerungswissenschaftlicher und kommunikationstheoretischer Einsichten gestellt werden muss.

1. Bei näherem Hinsehen ist – was Sozialwissenschaftler, die Staat gerne mit Hierarchie und „command and control“ identifizieren, nicht sehen wollen – staatliche Steuerung viel differenzierter als das Hantieren mit Geboten und Verboten des klassischen Ordnungsrechts ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK