Das mediale Vorurteil

von Mirko Laudon

Die Ge­schichte ist schnell er­zählt: Eine junge Stu­den­tin geht mit ih­rem Date auf eine Party im Haus ei­ner Stu­den­ten­ver­bin­dung. Dort wird sie von sie­ben Män­nern ver­ge­wal­tigt, drei Stun­den lang – wäh­rend der Mann, mit dem sie ver­ab­re­det war, nur da­bei zu­sieht. Der siebte be­kommt kei­nen hoch, die an­de­ren rei­chen ihm eine Bier­fla­sche, die er dann ge­walt­sam ein­führt. Diese Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung ist Teil des In­itia­ti­ons­ri­tu­als der Stu­den­ten­ver­bin­dung, das neue Mit­glie­der der Ver­bin­dung durch­lau­fen müssen.

Fake Rape Date

Das Pro­blem an der Ge­schichte: Sie ist frei er­fun­den – und zwar von der Stu­den­tin selbst. Un­ter der Über­schrift „A Rape on Cam­pus“ („Eine Ver­ge­wal­ti­gung auf dem Cam­pus“) ver­öf­fent­lichte die Zeit­schrift „Rol­ling Stone“ im ver­gan­ge­nen No­vem­ber diese Story von „Ja­ckie“ und er­regte da­mit ein­mal mehr die öf­fent­li­che Em­pö­rung über sog. „Rape-Dates“, die an ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten zum All­tag ge­hö­ren sol­len.

Foto: Jerzy / pixelio.de

Die Au­to­rin des Ar­ti­kels Sabrina Ru­bin Er­dely stützte ih­ren Ar­ti­kel auf eine ein­zige Quelle: Ja­ckie. Da­bei hätte sie schon mit mi­ni­ma­lem Re­cher­che­auf­wand her­aus­fin­den kön­nen, dass es an dem frag­li­chen Tag gar keine Party in dem na­ment­lich ge­nann­ten Ver­bin­dungs­haus gab – wenn sie denn ge­wollt hätte. Be­reits aus dem Fall „Lena Dun­ham“ hät­ten die Me­dien ler­nen kön­nen, sie ha­ben aber nicht. Denn – ma­chen wir uns nichts vor – Jour­na­lis­ten sind für sol­che Ge­schich­ten dank­bar und las­sen sich eine gute Story noch nicht durch Fak­ten verderben!

An­wälte der Wirklichkeit?

Auch der zweite Fall der Ver­ge­wal­ti­gung an ei­ner Uni­ver­si­tät, der welt­weit Schlag­zei­len machte, wirft nun Fra­gen auf ...

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