Der rote Punkt an der Zellentür

von Carsten R. Hoenig

In diesen Tagen berichten einige Printmedien über einen hochkarätigen Untersuchungshäftling, der seit gut vier Wochen unter Schlafentzug leidet. Ich habe den Pressebericht über die sozialen Medien geschickt, mit der Anmerkung:

Auch ne Art der Folter.

Das Thema scheint es aber Wert zu sein, ein paar mehr Worte darüber zu verlieren.

Zunächst einmal:
Der 61 Jahre alte Gefangene wurde im November 2014 vom Landgericht Essen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung wurde er noch im Gerichtssaal verhaftet. Sechs Monate, ein halbes Jahr lang ist er vorher zu jedem Hauptverhandlungstermin pünktlich und „freiwillig“ erschienen.

Eine solche Saalverhaftung ist etwas, das ein durchschnittlicher Strafverteidiger in seiner gesamten Karriere wohl nicht mehr als zwei- oder dreimal erlebt.

Das Landgericht unterstellte dem - nicht rechtskräftig - Verurteilten, er würde sich dem Verfahren durch Flucht entziehen, wenn man ihn rausließe.

Der Versuch der Verteidigung, den Haftbefehl gegen Stellung einer Sicherheitsleistung in Höhe von nahezu 900.000 Euro außer Vollzug setzen zu lassen, scheiterte im März d.J. am 5. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm. Das Risiko, daß der Häftling einem „bestehenden Fluchtanreiz“ nachgebe, sei größer, als daß er sich dem weiteren Strafverfahren stellen werde. An dieser Stelle sei noch angemerkt: Der verursachte Schaden, den der erstinstanzlich Verurteilte angerichtet haben soll, habe rund 500.000 Euro betragen.

Nun gut, wir kennen die Akten nicht. Aber so richtig schön hört sich das alles erst einmal nicht an. Die entscheidenden Richter und beantragenden Staatsanwälte werden sicherlich ihre Gründe haben. Und hoffentlich keine sachfremden.

Jetzt aber:
Die Fallhöhe war beträchtlich ...

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