Der Schockschaden des nahen Angehörigen

Der Schockschaden des nahen Angehörigen

Im Rahmen des Deliktsrechts gibt es immer wieder in Prüfungsarbeiten zu findende Probleme hinsichtlich der haftungsbegründenden Kausalität, also der Ursächlichkeit der Verletzungshandlung für den Verletzungserfolg. Eine noch sehr junge Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom 27. Januar 2015 - VI ZR 548/12) bietet Anlass für mich, die Einordnung des Schockschadens im Prüfungsaufbau einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Dieses Standardproblem sollte jeder kennen, selbst wenn er/sie sich ansonsten nicht näher mit dem Haftungsrecht beschäftigen will.

Der Entscheidung des Gerichts liegt ein äußerst tragischer Verkehrsunfall zugrunde. Der Schuldner fuhr alkoholisiert mit überhöhter Geschwindigkeit mit seinem Pkw und verursachte einen Unfall, bei welchem die Ehefrau des Klägers, die auf einem Motorrad hinter diesem fuhr, getötet wurde. Dabei hatte der Schuldner den Kläger auf dessen Motorrad nur um Haaresbreite verfehlt. Letzterer musste infolge einer akuten Belastungsreaktion seinen Beruf als Lkw-Fahrer aufgeben und aus der ehelichen Wohnung ausziehen. Er verlangt deshalb ein Schmerzensgeld vom Schuldner (bzw. dessen Haftpflichtversicherung).

2. Rechtliche Betrachtung

Wer als Student mit diesem Sachverhalt und der Frage nach einem Schmerzensgeld konfrontiert wird, muss sich zunächst überlegen, welche Anspruchsgrundlage hierfür in Betracht kommt. Zum einen drängt sich natürlich die Vorschrift des § 823 I BGB auf, aber auch eine Schadensersatzpflicht aus Gefährdungshaftung gem. § 7 I StVG liegt nahe, da der Schuldner einen Pkw benutzte. Eine etwaige Haftung nach § 823 II BGB iVm. dem StGB soll dabei außer Betracht bleiben. Auch die Vorschrift des § 115 I 1 Nr ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK