Der Gutachtenstil – Funktion, Struktur und Anwendung

von Jean Marc Chastenier

Im Studium der Rechtswissenschaften sind die Studenten regelmäßig dazu angehalten „Rechtsgutachten“ zu verfassen, sei es in Klausuren, Hausarbeiten oder in Klausurenkursen innerhalb der Vorbereitungsphase für das erste juristische Staatsexamen. Man kann ohne zu übertreiben sagen; Das Rechtsgutachten ist neben den Gesetzestexten und den dazugehörigen Kommentaren das wichtigste Handwerkszeug des Jurastudenten und zugleich eines seiner Haupttätigkeiten als Student der Rechtswissenschaft. Die Fülle an zu verfassenden Rechtsgutachten während der Studienzeit ist nicht sonderlich verwunderlich angesichts der Tatsache, dass die Studenten auch in ihrem späteren Berufsleben regelmäßig mit vergleichbaren Aufgaben betraut werden. Egal ob Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Richter – sie alle müssen Fälle schematisch und vor allem systematisch prüfen können. In einem Rechtsgutachten wird ein juristischer Sachverhalt von einem sachverständigen Gutachter, also einer juristisch-versierten Person rechtlich gewürdigt. Der Gutachter hat dabei die zugegeben nicht immer ganz einfache Aufgabe den ihm vorliegenden Sachverhalt anhand von Gesetz und Rechtsprechung zu prüfen und zu einem begründeten Urteil zu kommen. Für ein solches Rechtsgutachten gelten spezielle formelle und strukturelle Vorgaben an die es sich strikt zu halten gilt, formbedingte Abweichungen werden gnadenlos mit Punktabzügen abgestraft, eine überdurchschnittliche Klausur rückt damit in weite Ferne.

Zweck des Gutachtenstiles

Der Gutachtenstil ist dabei die vorherrschende Darstellungsform. Er mag den frischen Studenten noch sehr befremdlich vorkommen, ist an sich aber ein logisches Konstrukt und eine riesige Hilfe. Schließlich muss der Prüfling sein Gutachten nicht mühselig selbst strukturieren, sondern kann ein festes Prüfungsmuster blind ablaufen. Dadurch ergibt sich ganz von selbst ein roter Faden, nun muss der Prüfling nur noch inhaltlich und sprachlich überzeugen ...

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