“Unser Stations-Ramses” {Behandlungen trotz Patientenverfügung und andere Merkwürdigkeiten am Klinikum Bayreuth}

von Liz Collet

* * * 14 Uhr Pressekonferenz zum Skandal am Klinikum Bayreuth * * *

Über seltsames Vokabular von Ärzten, Pflegern und anderem Personal an Kliniken und über Patienten kann man nicht selten nur den Kopf schütteln.

Nicht nur, wenn von “Harvest of Organs” die Rede ist, der Ernte von Organen, als seien Patienten ein Feld von biologischen Ressourcen, die man erst zu Lebzeiten zur Erlangung ihrer Organspendebereitschaft und zur Dokumentation derselben nur lange oder mit den emotional am besten funktionierenden Begründungen genug beackern muss, um an die begehrten Früchte und Erntepotentiale zu gelangen. Und deren Organe man dann bei schriftlich vorliegender Organspendeerklärung ernten kann. Und wenn eine solche fehlt, werden die Angehörigen befragt, um die Ernte doch noch über deren Zustimmung zu erhalten.

Aber einen Patienten als “unseren Stations-Ramses” zu bezeichnen, der als todkranker Patient ohne jede Überlebenschance über längere Zeit künstlich am Leben gehalten worden sein soll und dessen Gliedmaßen mit weissen Binden eingewickelt worden sein sollen, weil Hände und Füße sogar schon langsam abgestorben sein sollen, verschlägt schon die Sprache. Ein leitender Arzt am Klinikum Bayreuth soll den Patienten “unseren Stations-Ramses” genannt haben.

So recht harmonisiert das nicht mit der Verlautbarung der Ärzte nach Bekanntwerden des Skandals, die betont hatten

“Am Klinikum Bayreuth wird gute Medizin gemacht.”

Ob diese lange Beatmungszeit ihren Grund im damit möglichen Einkommen für die Klinik hat, wie berichtet wird, sei dahingestellt.

Es scheint nicht der einzige Fall von nicht nachvollziehbar langen Beatmungszeiten zu sein.

In einem zweiten Fall soll eine Frau wiederbelebt und zehn Tage lang künstlich beamtet worden sein, obwohl sie eine Patientenverfügung hatte und ausdrücklich keine lebensverlängernden Maßnahmen wünschte ...

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