Vorsicht bei „abschreckenden Einladungen“ zum Vorstellungsgespräch

von Rafael Schiwietz

Vorsicht bei „abschreckenden Einladungen“ zum Vorstellungsgespräch LAG Baden-Württemberg, Urt. v. 3.11.2014 - 1 Sa 13/14

Ein schwerbehinderter Bewerber fühlte sich von dem beklagten Landkreis diskriminiert, da der potenzielle Arbeitgeber ihm schon vor einem persönlichen Vorstellungsgespräch signalisiert hat, dass seine Bewerbung keinen Erfolg haben wird. Hiergegen hat sich der Bewerber mit einer Klage zur Wehr gesetzt und ca. 2.500 € Entschädigung verlangt. Sowohl das Arbeitsgericht Pforzheim (Urteil v. 5.6.2014 - 6 Ca 9/14) als auch das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Urt. v. 3.11.2014 - 1 Sa 13/14) gaben dem Kläger Recht. Der öffentliche Arbeitgeber genüge seiner Einladungspflicht nach § 82 SGB IX dann nicht, wenn er den schwerbehinderten Bewerber zwar formal zu einem Vorstellungsgespräch einlädt, ihm aber gleichzeitig die Erfolglosigkeit prognostiziert.

Der Fall:

Der Kläger ist zu 100 % schwerbehindert und bewarb sich auf eine vom beklagten Landkreis ausgeschriebene Stelle zum Projektmanager/in. Die Stellenausschreibung lautet auszugsweise wie folgt:

„Wir erwarten von Ihnen:

- ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit einem den Augaben entsprechenden Profil, z.B. Politik-, Verwaltungswissenschaften- oder Europa-Studien,

- gute Fremdsprachenkenntnisse, mindestens Englisch in Wort und Schrift“

In dem Bewerbungsschreiben wies der Kläger auf sein abgeschlossenes Studium der Wirtschafts-, Geschichts- und Sozialwissenschaften und seinen Schwerbehindertenstatus hin. Ausführungen zu Fremdsprachenkenntnissen fehlten in der Bewerbung.

Der beklagte Landkreis bestätigte den Eingang der Bewerbung des Klägers mit folgendem Schreiben:

„Sehr geehrter Herr Z,

für Ihre Bewerbung bedanken wir uns nochmals ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK