Die Pflichten und Rechte eines Finders (Fundrecht)

von Jean Marc Chastenier

Nehmen wir mal an Sie haben bei einem gemütlichen Spaziergang durch den Park Ihre Geldbörse verloren. Natürlich wollen Sie jene Geldbörse wiederbekommen, womöglich enthält sie Ihren Personalausweis, Geld, Kreditkarten und wichtige Papiere – oder gar etwas unersetzbares, vielleicht ein einmaliges Familienfoto. Verlorene Dinge finden sich in aller Regel schnell wieder auf, gerade wenn sie an öffentlichen Plätzen abhanden gekommen sind. Alles was dazu benötigt wird, ist ein gutmütiger und ehrlicher Finder, der sie Ihnen wiederbringt. Die Realität lehrt jedoch, dass man sich nicht blindlings auf die Gutmütigkeit des Finders verlassen sollte. Genau aus diesem Grunde hat der Gesetzgeber genaue Rechte und Pflichten für den Finder aufgestellt, die sowohl die Ehrlichkeit des Finders belohnen, als auch dessen Unehrlichkeit unter Strafe stellen.

Verlust und Fund in rechtlicher Betrachtung Das „Fundrecht“ (§§ 965 – 984 BGB) ist im deutschen Sachenrecht angesiedelt und normiert das rechtliche Verhältnis zwischen dem Eigentümer der verlorenen Sache und dessen Finder. Der Eigentümer und der Finder treten in ein gesetzliches Schuldverhältnis. Eine Sache gilt im rechtlichen Sinne erst dann als verloren, wenn dessen Eigentümer nicht die tatsächliche Sachherrschaft über sie ausüben kann, er das Eigentum an ihr jedoch nicht aufgegeben hat. Die Sache ist also besitz- aber nicht herrenlos. Ebenso seltsam anmutend ist die Rechtsdefinition des Fundes. So ist nicht etwa die bloße Entdeckung maßgeblich für den Fund, sondern erst die Begründung neuen Besitzes durch den Finder. Im Klartext bedeutet dies, sieht sich jemand die verlorene Sache nur an, ist er nicht der Finder. Er muss Sie mitnehmen und Besitz an ihr erlangen um Finder zu werden.

Beispiel: A entdeckt Ihre Geldbörse, hebt sie auf, inspiziert sie kurz und legt sie schließlich wieder nieder. A ist nicht der Finder Ihrer Geldbörse ...

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