Der „grobe“ zahnprothetische Behandlungsfehler

von Olaf Moegelin

In welcher Höhe die erwiesene Fehlerhaftigkeit einer zahnprothetischen Behandlung ein Schmerzensgeld rechtfertigt, lag dem OLG Hamm zur Entscheidung vor. Dabei führte das OLG aus, was unter einem „groben“ Behandlungsfehler zu verstehen ist.

Die 1937 geborene Klägerin aus Bielefeld begab sich zwecks prothetischer Versorgung ihres Oberkiefers im Jahre 2002 in zahnärztliche Behandlung. Nachdem für 6 Zähne Implantate eingesetzt und zwei weitere Zähne überkront worden waren, suchte die Klägerin die seinerzeit in der Praxis des beklagten Zahnarztes in Nijmwegen tätige, mitverklagte Zahnärztin auf. Die Beklagte versorgte die Klägerin im Jahre 2003 mit einem festsitzenden Zahnersatz im Oberkiefer, in den sie die beiden überkronten Zähne einband. Dieser Zahnersatz musste im Jahre 2007 entfernt werden, nachdem sich einer der überkronten Zähne erheblich entzündet hatte. Die Klägerin musste zunächst ein Langzeitprovisorium tragen, die prothetische Versorgung ihres Oberkiefers war unter Entfernung der beiden überkronten Zähne zu erneuern. Von den Beklagten hat sie Schadensersatz verlangt, u.a. den Ersatz weiterer Behandlungskosten von ca. 4.000 Euro und ein Schmerzensgeld von 20.000 Euro. Dabei hat sie gemeint, dass die Planung und Ausführung ihrer prothetischen Versorgung durch die Beklagten grob fehlerhaft gewesen sei.

Das Landgericht Bielefeld hat der Klägerin unter anderem neben Behandlungskosten zudem 4.000 € Schmerzensgeld zugesprochen. Ihre Klage hinsichtlich der darüber hinausgehenden Forderung von weiteren 16.000 € Schmerzensgeld wurde abgewiesen. Das OLG Hamm hat ihre Berufung zurückgewiesen.

Ist eine zahnprothetische Behandlung fehlerhaft, weil sie nicht dem fachärztlichen Standard für eine langfristige Versorgung entspricht, muss kein grober Behandlungsfehler vorliegen, der ein Schmerzensgeld von mehr als 4.000 Euro rechtfertigt (Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 16.12 ...

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