Referendare sind doof!

von Gerd Meister

Es ist durch nichts belegt, aber ich vermute, dass es seit dem Australopithecus, der vor ca. 4 Millionen Jahren in Afrika gelebt hat und der zu den Ersten der Gattung Homo zählt, Generationenkonflikte gibt. Die Alten blicken skeptisch bis hoffnungslos auf die Jugend und den mit der heranwachsenden Generation bevorstehenden Untergang von Kultur und Gesellschaft, und die Jugend hält die Alten für zumindest halsstarrig. „Die heutige Jugend…“ und „Früher war alles besser“ gehört im Wortsinne zum althergebrachten Standardrepertoire der Alten. Das Gegenrepertoire der Jugend ist mir gerade altersbedingt entfallen. Es gibt es aber, soweit ich mich erinnere.

Dem Konflikt liegen naturgemäß unterschiedliche Ansichten auf die Welt zugrunde, ohne dass alleine damit ein Urteil über die jeweilige Qualität der Ansichten oder der Welt zu fällen wäre. Überhaupt erscheint die Beurteilung der Qualität einer Ansicht oder Betrachtungsweise schwierig, ist sie doch von der Perspektive abhängig. “ Hey, geh mal zur Seite, damit ich die Welt von deinem Standpunkt aus sehen kann!“, funktioniert in den seltensten Fällen. Auch die Antwort hierauf -„Alter, wenn du schon auf meinem Platz stehst, zieh wenigstens deine Brille auf“ – oder umgekehrt – „Soll ich dir mal meine Brille leihen, Jungspund?“ – ändert leider nichts daran, dass ein Standpunkt allenfalls örtlich eingenommen werden kann, dieser aber durch den Erfahrungshorizont und nicht durch Geodaten verortete bleibt. Schon der alte Heraklit hat dieses Phänomen mit seinem „Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu“ zum Ausdruck gebracht. Es geht also um die Frage der Beurteilung subjektiver Erkenntniswerte, die natürlich nicht nur im Generationenkonflikt zum Tragen kommt, sondern zwischen den Subjekten grundsätzlich Probleme verursacht ...

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