Wer ist Opfer im strafprozessualen Sinne?

von Mirko Laudon

Diese vermeintlich doch einfach zu beantwortende Frage ist bei näherem Hinsehen manchmal gar nicht derartig einfach zu klären, wie es im ersten Moment scheint.

Wie unmittelbar muss die Verletzung sein, um Nebenkläger zu sein?

Die Diskussion wurde angestoßen durch die Rolle einer Nebenklägerin im sog. NSU-Verfahren vor dem Oberlandesgericht München. Die Nebenklägerin hielt sich zum Zeitpunkt des Nagelbombenanschlags im hinteren Teil ihrer Wohnung in der Kölner Keupstraße auf. Sie hatte zwar den Knall der Explosion gehört, nahm aber an, der Gasboiler in der Küche sei explodiert. Durch die Fenster des Schlafzimmers konnte sie nicht auf die Straße sehen, da sich die geschlossenen Jalousien nicht öffnen ließen. Erst, nachdem sie etwa eine halbe Stunde nach der Explosion der Nagelbombe auf die Straße ging, sah sie panisch herumlaufende, blutüberströmte Menschen und die angerichteten Zerstörungen.

Obwohl die Anwohnerin körperlich unversehrt blieb, leide sie nach eigenen Angaben seit der Tat unter Angstzuständen und Panikattacken. Die Verteidigung fordert, die Nebenklägerin von dem Verfahren auszuschließen, da sie allenfalls mittelbar betroffen sei, Opfervertreter und auch die Bundesanwaltschaft halten dagegen. Wie mittelbar muss also die Verletzung sein, um sich im Sinne von § 395 StPO als Nebenkläger anschließen zu können?1

Die Frage ist bereits seit einiger Zeit insbesondere wegen der Auswirkungen von § 395 Abs. 3 StPO Gegenstand des juristischen Diskurses, da nach der Norm der Anschluss als Nebenkläger wegen jeder rechtswidrigen Tat grundsätzlich möglich sein soll („insbesondere“).2 Das Ziel des besseren „Opferschutzes“ könnte die Nebenklage durch die Neuregelung3 freilich „ins Uferlose“ ausweiten ...

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