Selbstleseverfahren, Band 98

von Mirko Laudon

Be­züg­lich Op­fer­rechte halte ich die Mei­nung von von Schi­rach für zu­tref­fend. Ein Straf­pro­zess ist keine The­ra­pie­ver­an­stal­tung. We­der für den An­ge­klag­ten noch für das ver­meint­li­che Op­fer. Der Op­fer­kult der heu­ti­gen Zeit über­sieht dies und will aus ei­nem Straf­pro­zess eine Op­ferthe­ra­pie ma­chen. Das kann und wird nicht funk­tio­nie­ren. Tho­mas Fi­scher schreibt, “un­ser Ver­fah­rens­recht muss die­je­ni­gen schüt­zen, die be­schul­digt wer­den.”, es ist keine Op­fer­schutz­recht, zu­mal das Op­fer nur ein ver­meint­li­ches ist, so­lange der An­ge­klagte nicht ver­ur­teilt ist. Die Be­to­nung der Op­fer­seite ver­schiebt aber schon im Vor­feld ei­nes Pro­zes­ses die Ge­wichte und führt zum Für­sor­ge­ex­zess, der die Wahr­heits­fin­dung er­schwert, ins­be­son­dere in den Fäl­len, in de­nen die Aus­sage des Op­fers der ein­zige Be­weis ist. Aber man sieht es nun auch an dem NSU-Prozess mit 50 Ne­ben­klä­ger­ver­tre­ter, dass die ex­zes­sive Be­rück­sich­ti­gung der Op­fer­seite Ver­fah­ren ver­zö­gern, auf­blä­hen, teuer ma­chen, bis an die Grenze der Recht­staat­lich­keit. Man muss ich das ein­mal vor­stel­len: Der An­ge­klagte sieht sich plötz­lich nicht nur dem Staat als An­klä­ger ge­gen­über, son­dern auch 50 ver­meint­li­chen Op­fern, und je­des die­ser Op­fer kann plä­die­ren und auf den Schluss­vor­trag des An­ge­klag­ten so­gar noch antworten ...

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