Q.e.d. {Warum online-Petitionen aus gutem Grunde keine Gesetze oder Urteile ändern oder erlassen}

von Liz Collet

Als Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche öffentlich wurden, war es ein Skandal und es dauerte und dauert an, bis Opfer überhaupt oder angemessen Entschädigung erlangten oder wenigstens Eingeständnisse, geschweige denn Bestrafung. Dass es dabei Verjährung geben dürfe, wurde gebrandmarkt.

Als Sebastian Edathys Verfahren durch Einstellung gegen Geldauflage endete, vergass die Stelle, welcher die Zahlung zufloss, in wievielen Fällen sie (wie viele andere gemeinnützige Vereinigungen) auch sonst von Geldauflagen profitiert, bei denen es auch niemandem in den Sinn kommt, Zahlungen zurückzuweisen, weil Täter sich damit von Schuld freizukaufen glauben könnten. Mal ganz beiseite lassend, dass man denselben Grund dann ausnahmslos und grundsätzlich jedem Fall sog. Täter-Opfer-Ausgleichs-Regelung sonst entgegenhalten müsste.

Und das Volkstribunal tagte gegen die Einstellung Edathys wie gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Edathy durch Medien und social media und maßte sich gleich mal noch ein bisschen zwei der drei in der Verfassung aus guten Gründen getrennten und geteilten Gewalten an, als es per Online-Petition forderte, dass die Justiz gefälligst nachzusitzen und das eingestellte Verfahren wieder zu eröffnen habe. Als sei ein Pöbel von Petenten der obersten Gerichtshof über Justiz und weisungsbefugt über diese. Und wenn das schon nicht, dann per pseudo-parlamentarisch selbstgestrickter Autorität befugt, durch Petition eben von der Seitenlinie eingrätschend Justizia zu kontrollieren und zu dirigieren. Haberfeldtreiben sui generis, weil man ja Selbstjustiz eigentlich nicht mehr üben sollte. Was manchen mehr missfallen zu scheint, als denen, die ihre Zündhölzl auspusten mussten, seit Hexenverbrennungen aus der Mode kamen. Und Pranger. Und öffentliche Hinrichtungen auf Marktplätzen ...

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