CreutzColumne: Der gerichtlich geprüfte Fachanwalt

Gute Zeiten für selbsternannte Spezialisten unter den Anwälten: Können sie vor Gericht nachweisen, dass sie mindestens ebenso qualifiziert sind wie echte Fachanwälte, besteht nach einer neuen BGH-Entscheidung kein Anlass, ihnen den Spezialistentitel wegzunehmen.

Das gilt nach Ansicht der Karlsruher Richter selbst dann, wenn beim rechtsuchenden Publikum die Gefahr einer Verwechslung mit einer Fachanwaltsbezeichnung besteht. Die Entscheidung (Az.: I ZR 53/13) ist ein Schlag in den bisherigen Wertekanon des § 7 BORA. Nach dessen Absatz 1 darf unabhängig von Fachanwaltsbezeichnungen Teilbereiche der Berufstätigkeit nur benennen, wer zu seinen Angaben entsprechende Kenntnisse nachweisen kann, die in der Ausbildung, durch Berufstätigkeit, Veröffentlichungen oder in sonstiger Weise erworben wurden. Wer qualifizierende Zusätze verwendet, muss zusätzlich über entsprechende theoretische Kenntnisse verfügen und auf dem benannten Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein. Und Absatz 2 hält Benennungen nach Absatz 1 sind unzulässig, soweit sie die Gefahr einer Verwechslung mit Fachanwaltschaften begründen oder sonst irreführend sind.

Das alles ist jetzt Makulatur. Der sich selbst als Spezialist bezeichnende Rechtsanwalt trägt allerdings für die Richtigkeit seiner Selbsteinschätzung die Darlegungs- und Beweislast. Der BGH hat den entschiedenen Fall deshalb an die Vorinstanz zurückverwiesen. Dort muss der selbsternannte Spezialist für Familienrecht demnächst die Hosen runterlassen und nachweisen, dass er sowohl die theoretischen Kenntnisse wie auch die praktischen Erfahrungen eines Fachanwalts für Familienrecht mitbringt.

Anders ausgedrückt: Statt der Rechtsanwaltskammer nimmt das Gericht die Fachanwaltsprüfung ab ...

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