(Nicht-)Zitieren mit Juris

von Lars Klenk
In wissenschaftlichen Arbeiten ist es üblich, Entscheidungen der Obergerichte nach der amtlichen Sammlung zu zitieren (BVerfGE, BVerwGE, BGHZ usw.). Über die Gründe hierfür kann man nur spekulieren. Die amtlichen Sammlungen sind im Meer der juristischen Literatur wohl der kleinste gemeinsame Nenner. Zudem ermöglichen sie eine einheitliche Zitierung aller wichtigen (und somit amtlich veröffentlicher) Entscheidungen.

Nun hat die Entwicklung des Internets auch die juristische Recherchetechnik revolutioniert. Wo man früher in juristischen Bibliotheken auf- und abrennen musste, genügt heute ein Mausklick auf Juris und Beck-Online. Ja, Juris - deren eigener Anspruch es bekanntlich ist, möglichst alle veröffentlichen Gerichtsentscheidungen ungekürzt zu archivieren. Die Recherche auf Juris ist bequem. Nicht mehr durch amtliche Sammlungen blättern, sondern schnell und unkompliziert durch Entscheidungen scrollen. So das Ideal.

Trotzdem hat es sich bislang nicht eingebürgert, Entscheidungen tatsächlich "nach Juris" zu zitieren. Wer Zitierungen liest wie VG Kassel, Beschluss vom 24. Juni 2004 – 2 G 701/04 –, Rn. 4 (juris) nimmt vielmehr bewusst oder unbewusst an, die Entscheidungen sei nirgendwo anders veröffentlicht worden. Die Zitierung nach Juris als letzte Option. Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Seit kurzem (?) bietet Juris indes auch die Möglichkeit, Textstellen aus einer Entscheidung unter Nennung der amtlichen Sammlung zu zitieren. Wenn ich bspw. aus dem Apotheken-Urteil des BVerfG folgende Feststellung herauskopiere: "Es ist zu prüfen, ob Art. 3 Abs. 1 ApothekenG mit dem Grundgesetz vereinbar ist." sieht das so aus
Es ist zu prüfen, ob Art. 3 Abs. 1 ApothekenG mit dem Grundgesetz vereinbar ist ...
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