Gut überlegen!

von RA Schepers

Eine wenig spektakuläre Unfallsache: Mandant Meier steht mit seinem Auto am Bahnhof, weil er seine Tochter abholen möchte. Herr Garstig fährt rückwärts, übersieht Herrn Meier und fährt ihm in die Seite. Ich schreibe den Kfz-Haftpflichtversicherer von Herrn Garstig an, und schicke Herrn Garstig eine Kopie des Schreibens, verbunden mit der Bitte, eine vollständige und pünktliche Zahlung sicherzustellen. Der Fahrzeugschaden beläuft sich auf ca. 1.400,- € netto.

Nichts Wildes also. Sollte man meinen.

Herr Garstig schaltet seinen Anwalt ein, der sich an mich wendet:

„Es wird in Abrede gestellt, dass sich der Unfall, um den es geht, so wie von Ihnen äußerst verkürzt dargestellt ereignet hat. Hinzu kommt, dass Ihr Mandant dort, wo er stand, nicht stehen durfte, worauf wir ebenfalls nach einer Ortsbesichtigung zurückkommen.“

Oha. Da wird dann jetzt aber was kommen.

„Nichtsdestoweniger wird insoweit angefügt, dass die Beifahrerin im Fahrzeug des Mandanten als Zeugin für dessen Sachdarstellung zur Verfügung steht.“

Auch noch eine Zeugin der Gegenseite. Jetzt wird es aber richtig schwer für uns.

„Wir kommen, wie gesagt, kurzfristig auf die Angelegenheit zurück.
Mit dem vorliegenden Schreiben kündigt Herr Garstig seinerseits im Übrigen die Geltendmachung seines Schadensersatzanspruches an. Insoweit erfolgt ebenfalls weitere Darlegung.“

Ups. So schnell schießen die Preußen wohl doch nicht.

2 ½ Wochen später erreicht mit dann ein Fax des Kollegen.

„Der Unterzeichner hat mittlerweile eine Ortsbesichtigung vorgenommen, aufgrund derer feststeht, dass Ihr Mandant den Unfall, um den es geht, allein schuldhaft verursacht hat. Herr Garstig braucht sich aufgrund des groben Verschuldens Ihres Auftraggebers gleich aus mehreren Gesichtspunkten auch keine Betriebsgefahr seines Fahrzeuges anrechnen zu lassen ...

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