Tankstellenräuber verklagt Polizisten wegen eines weggeschossenen Hodens auf Schmerzensgeld – Geht das überhaupt?

von Rainer Pohlen

In der Nacht zum 01. August 2012 überfiel ein heute 23-jähriger Mann zum zweiten Mal eine Tankstelle an der Duvenstraße in Mönchengladbach. Was er nicht wusste, war, dass die Polizei diesmal bereits auf der Lauer lag und ihn erwartete. Als der Mann mit einem großen Messer bewaffnet auf die Kassiererin zulief, kam ein Polizist, der später von mir vertreten wurde, mit gezogener Dienstpistole aus einem Nebenraum und rief “Stehenbleiben! Polizei!”. Der Räuber blieb jedoch nicht stehen, sondern drehte sich mit dem erhobenen Messer in der Hand um, wobei er dem Polizisten sehr nahe kam. Dieser fühlte sich unmittelbar attackiert und gab – möglicherweise eher instinktiv als bewusst - einen Schuss ab, der den verhinderten Räuber ins Gesäß und von dort aus bis in den Hodenbereich traf. Dennoch gelang es dem jungen Mann noch, das Tankstellengebäude zu verlassen und einen 1,80 Meter hohen Zaun zu übersteigen und bis zu dem Fluchtfahrzeug zu gelangen, in dem ein Kumpan auf ihn wartete. Erst dort kam es zur Festnahme.

Dem nicht unerheblich verletzten jungen Mann musste operativ ein Hoden entfernt werden. Wegen der beiden Raubüberfälle auf die Tankstelle – beim ersten Mall hatte er 850 Euro erbeutet – wurde er später zu 6 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Wegen der Schussverletzung hatte der Räuber über seinen Anwalt gegen den Polizeibeamten Strafanzeige wegen eines versuchten vorsätzlichen Tötungsdelikts erstattet. In diesem Verfahren habe ich den Polizisten verteidigt und nach mehrmaliger Wiederaufnahme der Ermittlungen schließlich eine endgültige Verfahrenseinstellung erreicht, weil ihm weder eine vorsätzliche noch eine fahrlässige Körperverletzung nachzuweisen war. Mit einem Klageerzwingungsverfahren gegen den Polizeibeamten war der Räuber vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gescheitert.

Der Mann ist allerdings zäh und will sich damit nicht abfinden ...

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