Bauüberwachender Architekt haftet nicht, wenn ihm Spezialkenntnisse fehlen?

von Mathias Münch

Der mit der Bauüberwachung bei einem Schwimmbadbau eingesetzte Architekt soll nach einer Entscheidung des OLG Jena nicht für Wasserschäden haften, die u.a. durch eine undichte Schwimmbeckenfolie hervorgerufen werden. Spezialkenntnisse im Schwimmbadbau könnten nicht verlangt werden. Zweifelhaft!

OLG Jena, Urt. v. 8.1.2015 – 1 U 268/13

Der Erbauer eines Schwimmbades setzte ein Architekturbüro als Generalplaner ein und beauftragte insbesondere die Bauüberwachung, auch die Überwachung der Errichtung (und Abdichtung) des Schwimmbades. Wegen Undichtigkeiten der Folie am Schwimmbeckenboden und einer mangelhaften Sekundärentwässerung kam es durch den Austritt von Wasser aus dem Schwimmbecken zu Feuchtigkeitsschäden an angrenzenden Bauteilen. Der Bauherr verklagte das Bauunternehmen und den Architekten gesamtschuldnerisch auf Schadensersatz. Die gute Nachricht für den Bauherrn: Er geht in zweiter Instanz nicht leer aus, der Bauunternehmer haftet für seinen Mangel. Den Architekten sprach das OLG Jena aber von jeder Verantwortung frei. Warum eigentlich?

Nur ein spezialisierter Bauüberwacher muss Mängel erkennen?

Das Gericht meint, dem Architekten sei keine Pflichtverletzung, insbesondere keine fehlerhafte Bauüberwachung vorzuwerfen. Die von einem Sachverständigen festgestellten Mängel seine nur mit Spezialkenntnissen zu erkennen gewesen. Die Überprüfung der Dichtigkeit der Folie hätte einer Spezialfirma bedurft. Um den Mangel an der Sekundärentwässerung zu erkennen, hätte das Becken für drei Tage befüllt werden und anschließend nachgesehen werden müssen, ob Wasser austritt. Diese Prüfung sei aber nicht zwingend vorgeschrieben. Der Architekt sei einfacher Bauüberwacher und kein Fachmann im Schwimmbadbau. Es sei nicht erkennbar, was er hätte tun sollen, um die Mängel zu erkennen ...

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