BILD-Zeitung bei der Arbeit – Oder: Wie man sich eine Schlagzeile herbeifantasiert

von Dr. Sascha Böttner

Egal ob Kachelmann, Edathy oder Tugce – die Berichterstattung der Boulevard-Medien deckt sich selten mit der Wahrheit. Es geht meist nur um Auflage und aufgeblähte Nachrichten.

Der Name „Boulevard-Medien“ entstand damals durch die besondere Vertriebsform der speziellen Zeitschriften. Anders als übliche Tageszeitungen wurden Boulevard-Zeitschriften nämlich nicht im Abo an die Tür der Kunden gebracht bzw. verkauft. Stattdessen musste jeden Tag aufs Neue der Leser auf der Straße, also dem Boulevard, vom Kauf überzeugt werden. Daher ist die Zeitschrift auf große, plakative und reißerische Schlagzeilen angewiesen.

Ein aktuelles Beispiel der „BILD“-Zeitung zeigt erneut auf, was für perverse Blüten die Berichterstattung (Verdachtsberichterstattung) über vermeintlich strafrechtliche Vorgänge treiben kann. Die „BILD“-berichtete in einer aktuellen Beitrag über die Jugendabteilung des Fußballclubs Hannover 96.

Die Wahrheit ist nicht wichtig

Es wird im Titel von „Jugend-Chaos bei Hannover 96!“ berichtet. Zusätzlich wird im Untertitel von „Nackte Kinder-Hintern +++ Mobbing-Vorwürfe +++ Strafanzeige gegen Jugendtrainer“ gesprochen. Als Illustration dient ein Foto des Trainingsplatzes. Aus den Ecken greift die Schwärze nach dem Bild und das „Böse“ scheint den „Tatort“ verschlingen zu wollen.

Spätestens jetzt läuft die Fantasie des Lesers auf Hochtouren. Nackte Kinder? Mobbing? Strafanzeige? Kindesmissbrauch? Erst im weiteren Text erfährt der Leser, dass es sich lediglich um aufgebauschte heiße Luft handelt. Der durch die reißerische Überschrift suggerierte Zusammenhang zwischen „nackten Kindern“ und „Strafanzeige“ existiert gar nicht. Eine schwere Straftat ist im gesamten Artikel nicht zu erkennen. Ob überhaupt ein strafbares Verhalten vorliegt, ist mehr als fraglich ...

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