Blaugemacht? Überwachung von arbeitsunfähigen Arbeitnehmern ist nur bei konkretem Verdacht zulässig

von Pauline Moritz

Darf ein Arbeitgeber einen Privatdetektiv mit der Beobachtung und Videoüberwachung von kranken Arbeitnehmern beauftragen? Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat dem eine Absage erteilt und eine Persönlichkeitsrechtsverletzung angenommen.

Sekretärin wurde von Detektiv beim Spaziergang mit dem Hund und im Waschsalon gefilmt

Die Klägerin ist als Sekretärin der Geschäftsleitung eines Metallbetriebs beschäftigt. Bereits früh nach Eintritt in das Unternehmen war die Frau krankgeschrieben. Ihr Arbeitgeber zweifelte jedoch an ihrer Krankheit und vermutete einen typischen Fall von „Blaumachen“. Es wurde ein Detektiv beauftragt, der von der Klägerin Videoaufnahmen in Ihrem privaten Umfeld anfertigte. Über insgesamt vier Tage zeichnete er auf, welchen Aktivitäten die Klägerin nachging. Der dem Arbeitgeber übergebene Observationsbericht enthielt u.a. elf Bilder, neun davon aus Videosequenzen. In den Videoaufnahmen ist die Klägerin bei verschiedenen privaten Gelegenheiten zu sehen, bspw. im Waschsalon oder beim Spaziergang mit dem Hund.

Persönlichkeitsrechtsverletzung vs. legitimes Interesse des Arbeitgebers

Die Sekretärin fühlte sich durch die heimlichen Aufnahmen in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt und verklagte ihren Arbeitgeber auf Schmerzensgeld in Höhe von insg. 10.500 EUR, was drei Bruttomonatsgehältern entspricht.

Mehr erfahren

Ihr Arbeitgeber war der Ansicht, die heimliche Überwachung sei zulässig gewesen ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK