Karneval muss nicht lustig sein

von Thorsten Koch

Am Faschingsdienstag veranstaltete ein Mainzer Karnevalsverein eine der berüchtigten „Sitzungen“; die schon im Titel gruselige Veranstaltung („Mumbach, Mumbach Täterä“) wurde mit einer Gesamtlänge von insgesamt vier Stunden ausführlich und in jedem Detail im beitragsfinanzierten Fernsehen des SWR übertragen. Allerdings dürfte die Sendung an den meisten Menschen spurlos vorübergegangen sein, denn schon der Blick auf einige wenige Ausschnitte zeigt, dass es – von zeitlichen Gründen einmal abgesehen – allenfalls den (abge-) härte(t)sten Fans möglich ist, die gezeigte Abfolge von abgeschmackten Witzchen zu ertragen, mit denen sich Menschen dafür feiern, dass der gesellschaftliche Wandel der letzten 50 Jahre spurlos an ihnen vorübergegangen ist.

Auch in diesem Umfeld heraus sticht jedoch ein bislang überregional zu Recht weithin unbekannte Festredner namens Radelli, den der Entertainer Stefan Raab anschließend in seiner Sendung (ab Min. 18:50) mit der Bemerkung präsentierte, hier feiere einer den Karneval nach dem Motto „Ich lass‘ mir den Rassismus nicht verbieten“: Unter dem Johlen des Publikums präsentierte der Redner rassistische Sprüche, bei denen selbst AfD- und Pegida-Anhängern schwindelig werden dürfte: „Wir pflegen in Deutschland den Liberalismus“ (was dem Redner erkennbar nicht gefällt), „doch sagt man wir hegen auch den Rassismus“ (nach Ansicht des Redner natürlich ein völlig unberechtigter Vorwurf)“, weshalb die Worte „Mohrenkopf“ und „Negerkuss“ beim „Bäcker gestrichen“ und die „10 kleinen Negerlein“ ebenfalls in Fortfall geraten seien. Alsdann wird „Sprachschatzasketen“ (in allerdings teilweise unverständlichen Worten) erklärt, der Redner werde weiterhin seinen „Mohrenkopf“ essen, solange er damit rechnen müsse, dass das „Ausland“ ihn mit Hitler vergleiche (ungefähr sinngemäße Wiedergabe schwer verständlichen Gezeters); außerdem sei der „Präsident von Amerika“ (sc. offenbar die USA) auch ein „Mohrenkopf“ ...

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