Pflichtverteidigung – nein Danke!

von Alexandra Braun

Im Jahr 2014 bin ich – soweit ich mich erinnere – kein einziges Mal ohne entsprechenden Antrag von mir als Pflichtverteidigerin beigeordnet worden. Sprich, es kam häufig vor, dass Mandanten mich gebeten haben, meine Beiordnung als notwendige Verteidigerin zu beantragen, aber kein Richter hat mich von sich aus beigeordnet.

Wenn man sich die “Bestandsaufnahme Pflichtverteidigung” des Kollegen Siebers und dort insbesondere die Kommentare ansieht, dann habe ich vermutlich etwas richtig gemacht.

Gestern musste ich beim Landgericht etwas warten und konnte beobachten, wie sich ein Kollege nach der Verhandlung dem Vorsitzenden als Pflichtverteidiger andiente. Er, der Richter, solle doch einmal an ihn denken. Besagter Kollege hat vorher vertraulich mit einem Zeugen geplaudert und verkündet, was man denn so als Verteidigungsstrategie geplant habe. Mir ist es eiskalt der Rücken runtergelaufen. Könnte natürlich ein total genialer Trick gewesen sein, aber das glaube ich nicht.

In acht Jahren habe ich noch keinen Richter oder keine Richterin gebeten, an mich zu denken. Zumindest nicht beruflich. Ich könnte das nicht, ohne vor Scham im Boden zu versinken ...

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