Vorhang auf – Türen zu: Muss verspäteter Opernbesucher mit Einlassverweigerung rechnen?

von Stephan Weinberger

Zu spät zur Oper gekommen und Einlass erst zur Pause ? Das wollte ein Kläger nicht akzeptieren und klagte auf Schadenersatz und Rückerstattung des Eintrittsgelds. Der entscheidende Richter wartete wohl schon länger auf eine Klage, die diese Frage zum Gegenstand hat, wie sich aus dem Urteil ergibt: Aus dem Tatbestand:

Am Abend des 29. 5. 1996 beabsichtigten der in G. wohnhafte Kl. und seine Gattin, eine für 20.00 Uhr angesetzte Aufführung der Oper ‘Nabucco’ zu besuchen, die von der Bekl. im Stadttheater A. gegeben wurde. Wenige Minuten nach 20.00 Uhr – die Aufführung hatte bereits begonnen – wurden sie bei den Ordnungskräften der Bekl. mit der Bitte um Einlaß vorstellig. Obschon sie zwei gültige, vom Kl. zum Preis von je 46 DM erworbene Eintrittskarten vorlegten, wies man sie unter Hinweis auf eine Anordnung der Geschäftsleitung der Bekl., Nachzügler mit Plätzen im Parkett oder ersten Rang erst in der ersten Pause einzulassen, vorläufig ab. Nach dem Austausch von Unfreundlichkeiten verließ der Kl. nebst Gattin das Haus und kehrte nicht zurück. Im folgenden verweigerte die Bekl. den klägerseits verlangten Ersatz des Eintrittspreises nebst unnütz aufgewandter Fahrtkosten. (…)

Aus den Entscheidungsgründen: I. Der Kl., der ungeachtet der erheiternden Aspekte des Falles eine ernstzunehmende und nicht einfache Rechtsfrage zur Entscheidung gestellt hat, kann von der Bekl. unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt Erstattung des Eintrittsgeldes nebst Fahrtkosten verlangen.

Der dem Rechtsverhältnis der Parteien zugrunde liegende, typengemischte Vertrag ist Werkvertrag mit mietrechtlichem Einschlag bezüglich des Zuschauerplatzes. Zur Fallösung sind somit die auf beide Vertragstypen bezogenen Sondervorschriften, ergänzend gegebenenfalls allgemeine Normen sowie übergesetzliche Rechtssätze heranzuziehen. Eindeutig zu beantworten ist hiernach noch die Vorfrage, ob die Mitarbeiter der Bekl. berechtigt waren, dem Kl ...

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