Der geburtsleitende Arzt, welche Aufklärungspflichten hat er in einer Entbindungssituation?

von Nino Herding

Bestehen

  • deutliche Anzeichen dafür,

dass sich der Zustand der Schwangeren bzw. der Geburtsvorgang so entwickeln können, dass

  • die Schnittentbindung (Kaiserschnitt)

zu einer echten Alternative zur

  • vaginalen Entbindung

wird, muss der Arzt die Schwangere über

  • die unterschiedlichen Risiken und
  • Vorteile der verschiedenen Entbindungsmethoden

aufklären.

Darauf hat der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) mit Urteil vom 28.10.2014 – VI ZR 125/13 – hingewiesen.

Wie der Senat ausgeführt hat, ist nach der ständigen Rechtsprechung des BGH eine Aufklärung über eine alternative Behandlungsmöglichkeit erforderlich, wenn für eine medizinisch

  • sinnvolle und
  • indizierte

Therapie mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen,

  • die zu jeweils unterschiedlichen Belastungen des Patienten führen oder
  • unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen bieten (vgl. BGH, Urteile vom 13.06.2006 – VI ZR 323/04 – und vom 17.05.2011 – VI ZR 69/10 -).

Gemäß diesem allgemeinen Grundsatz braucht der geburtsleitende Arzt

  • in einer normalen Entbindungssituation, in der die Schnittentbindung medizinisch nicht indiziert und deshalb keine echte Alternative zur vaginalen Geburt ist,
  • ohne besondere Veranlassung

die Möglichkeit einer Schnittentbindung nicht zur Sprache zu bringen.

Anders liegt es aber, wenn für den Fall, dass die Geburt vaginal erfolgt,

  • für das Kind ernstzunehmende Gefahren drohen, daher im Interesse des Kindes gewichtige Gründe für eine Schnittentbindung sprechen und
  • diese unter Berücksichtigung auch der Konstitution und der Befindlichkeit der Mutter in der konkreten Situation eine medizinisch verantwortbare Alternative darstellt ...
Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK