Außerordentliche Kündigung wegen sexueller Belästigung

von Olaf Moegelin

Ein Arbeitnehmer erklärte gegenüber einer Kollegin, dass sie einen schönen Busen habe und berührte sie an einer Brust. Die Kollegin erwiderte, dass sie dies nicht wünsche. Daraufhin ließ er sofort von ihr ab. Die Kollegin schilderte den Vorfall später ihrem Arbeitgeber, der den Arbeitnehmer daraufhin anhörte. Die Sache“ tue ihm furchtbar leid”. Er schäme sich, so etwas werde sich nicht wiederholen. Dennoch kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis außerordentlich mit sofortiger Wirkung.

Seine hiergegen gerichete Kündigungsschutzklage wurde vom Arbeitsgericht abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat seiner Klage jedoch stattgegeben.

Der Kläger hat vorgetragen, er habe – subjektiv unstreitig – den Eindruck gehabt, die Kollegin habe mit ihm geflirtet. Dann sei es zu einem plötzlichen „Blackout“ gekommen und er habe sich zu dem im Rückblick unverständlichen Übergriff hinreißen lassen. Es habe sich um einen einmaligen „Ausrutscher“ gehandelt.

Die Revision des Arbeitgebers wurde zurückgewiesen. Das Bundesarbeitsgericht sah keinen wichtigen Grund gemäß § 626 Abs. 1 BGB gegeben, der die Kündigung rechtfertigen könnte.

Eine sexuelle Belästigtung liegt nach Ansicht des Gerichts vor. Bei der Aussage, Frau M. habe einen schönen Busen, handele es sich nicht um ein sozialadäquates Kompliment, sondern um eine unangemessene Bemerkung sexuellen Inhalts. In der anschließenden Berührung läge ein sexuell bestimmter Eingriff in die körperliche Intimsphäre der Arbeitnehmerin. Sowohl die Bemerkung als auch die folgende Berührung waren nach den richterlichen Feststellungen objektiv unerwünscht, was für den Kläger auch erkennbar war ...

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