Wenn das Amtsgericht die deutsche Sprache erforscht – “Aufgeilen” als Beleidigung?

von Justillon

Die Erforschung der deutschen Sprache ist am vergangenen Donnerstag am Amtsgericht Osterode weiter vorangeschritten. Den Anlass dafür bot die Rechtssache “Knöllchen-Horst” gegen “Dolly Buster”. Die frühere Pornodarstellerin hatte gegenüber dem Privatsender RTL Stellung genommen zu dem 61 Jahre alten Frührentner, der mit Tausenden Anzeigen gegen Falschparker zu gewisser Berühmtheit gekommen ist. Ihre Vermutung: “Knöllchen- Horst” geile sich daran auf, Falschparker anzuzeigen.

Weil “Knöllchen-Horst” sich durch diese Äußerung beleidigt sah, verlangte er Schmerzensgeld von “Dolly Buster”. Zur Klärung des Falls unterzog das Amtsgericht Osterode das Wort “geil” einer genaueren, der begriffsgeschichtlichen Methode verpflichteten Betrachtung. Im Alt- und Mittelhochdeutschen ist das Wort schließlich noch weitgehend unverfänglich gewesen. Doch in der jüngeren Vergangenheit habe “geil” einen starken Zug ins Ordinäre bekommen, wie das Gericht konstatiert.

Doch dürfe man dabei nicht stehenbleiben: In allerjüngster Zeit sei beim Wort “geil” abermals ein semantischer Wandel zu verzeichnen. Das Wort sei nicht länger ausschließlich negativ konnotiert. Dieser Gedankengang des Amtsgerichts war für “Knöllchen-Horst” in der Sache sicherlich aufschlussreich, aber im Ergebnis unerfreulich: Der Klage blieb der Erfolg versagt. Auch die Kosten des Verfahrens hatte “Knöllchen-Horst” tragen ...

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