Bewährungshelfer vs. Angeklagter – oder: der Bewährungshelfer als Staatsbürger

Ziel der Bewährungshilfe ist es, betreute Personen durch “Hilfe zur Selbsthilfe” im Rahmen ihrer Möglichkeiten vor einem kriminellen Rückfall zu bewahren. Dieses Ziel soll einerseits durch Überwachung und gegebenenfalls Einwirkung auf die Lebensführung der betreuten Person, insbesondere durch Überwachung der gerichtlich erteilten Auflagen und Weisungen, erfolgen. Zu den Aufgaben des Bewährungshelfers zählt auch, dem Gericht über den Verlauf der Bewährungszeit objektiv zu berichten. Anders als viele Verurteilte manchmal denken, ist er nicht zur Verschwiegenheit oder gar Parteilichkeit zu ihren Gunsten verpflichtet.

Trotz dieses Wissens hat mich ein Bewährungshelfer, der mir bislang ausschließlich positiv aufgefallen war, vor kurzem sehr – aber nicht positiv – überrascht. Vor einem nordrheinwestfälischen Schöffengericht habe ich einen Mandanten vertreten, der u.a. wegen Steuerhinterziehung im mittleren sechsstelligen Bereich angeklagt war. Selbiger stand wegen zwei vorangegangener Verurteilungen – ebenfalls wegen Steuerhinterziehung im oberen sechsstelligen Bereich – bereits unter Bewährung. Im Laufe der Verhandlung wurden Gericht, Staatsanwaltschaft und ich als Verteidigerin uns einig, dass einige Taten eingestellt werden konnten. Nachdem ich – auch schon im Vorfeld – auf einige tatsächliche und rechtliche Probleme hingewiesen und der Bewährungshelfer sachlich und ohne Beanstandung des Verhaltens des Mandanten über den Bewährungsverlauf berichtet hatte, zeichnete sich die Möglichkeit einer erneuten Strafaussetzung zur Bewährung ab. Staatsanwaltschaft und Gericht ließen dies deutlich erkennen ...

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