Unschuldig – dann schnell zum Anwalt

von Alexandra Braun
Wer unschuldig ist, der braucht keinen Strafverteidiger?

Oft habe ich Mandatsanfragen, aus denen letztlich kein Mandat wird. Der Anrufer – meist sind es Männer – meint nämlich, dass er, weil er unschuldig sei, keinen Anwalt brauche. Die Sache werde sich schon aufklären, wenn die Polizei ihre Arbeit ordentlich macht. Wer als Rechtsanwalt überwiegend im Strafrecht tätig ist, glaubt daran nicht.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über einen Fall, der beklommen macht.

“683 Tag lang galt Nobert Kuß als Kinderschänder. 683 Tage saß er im Gefängnis. Zu Unrecht, wie die Justiz dem heute 71-Jährigen bestätigt hat. Zehn Jahre lang hat Kuß für diesen Freispruch gekämpft. Nun will er Schadensersatz und Schmerzensgeld. Geld von der Gutachterin, die Aussagen seiner Pflegetochter damals als glaubhaft einstufte, was dem Rentner eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener einbrachte.”

(Quelle:www.sueddeutsche.de)

Der Mann war von seiner Pflegetochter beschuldigt worden, sie sexuell missbraucht zu haben. Er bestritt die Tat von Anfang an, es stand Aussage gegen Aussage. Die Angaben der Pflegetochter wurden von dem Gericht als glaubhaft eingeschätzt und es erfolgte die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen.

“Der Pflegevater soll das Mädchen erstmals im Herbst 2001 in sein Zimmer gelockt haben, als seine Frau einkaufen war. Grundlage des Urteils ist das Gutachten einer Sachverständigen der Uniklinik Homburg, die Aussagen der Pflegetochter “mit hoher Wahrscheinlichkeit als glaubhaft” einstuft ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK