Rezension Zivilrecht: Tatsachenfeststellung vor Gericht

von Dr. Benjamin Krenberger

Bender / Nack / Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Auflage, C.H. Beck 2014


Von RA Daniel Jansen, Köln



Das Werk widmet sich über etwas mehr als 400 Seiten einem, wenn nicht dem zentralen Thema in der Rechtspraxis: der Tatsachenfeststellung durch Aussagen. Vor Gericht stehen sich zumeist gegenläufige Interessen gegenüber. Im Zivilprozess werden Ansprüche zwischen Parteien erörtert. Der Strafrichter hat sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob die von der Staatsanwaltschaft zusammengetragenen Beweise die Anklage in der gebotenen Weise stützen oder die Verteidigung den dortigen Beweismitteln ausreichend entgegentreten kann. Um zu einem Ergebnis zu gelangen, ist immer zunächst festzustellen, von welchem Sachverhalt auszugehen ist. Man könnte auch sagen, dass das gesamte materiellrechtliche Wissen ohne die Tatsachenfeststellung in der Praxis weitestgehend ohne Relevanz bliebe. Der Tatsachenfeststellung kommt also überragende Bedeutung zu, welche wiederum oft - nicht selten sogar ausschließlich - von Zeugenaussagen abhängig ist.


Die Autoren des vorliegenden Werkes zeigen in allen erdenklichen Facetten, wie fehleranfällig Aussagen sind und wie Fehler erkannt und gebannt werden können.


Dies geschieht über drei Großkapitel. Zunächst wird unter der Überschrift „Glaubhaftigkeitslehre“ ausführlich zwischen dem Irrtum und der Lüge unterschieden. Hier wird die Grundlage für das thematische Verständnis des Buches geliefert. So wird der Leser anschaulich darauf aufmerksam gemacht, dass in jeder Tatsachenwahrnehmung bereits ein Schluss steckt. Die Aussage: „Ich habe eine Frau gesehen.“, kann sich beispielsweise auf die folgenden Tatsachen stützen: eine Person mit Rock, langen Haaren, weichen Gesichtszügen wurde gesehen. Daraus schließt der Verstand dann z.B ...

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