Liberalisierung der Leihmutterschaft: Straßburg legt nach

von Maximilian Steinbeis

Staaten, die Leihmutterschaft ethisch furchtbar finden und bekämpfen und verbieten wollen, dürfen das tun – aber sie dürfen diesen Kampf nicht auf dem Rücken des Kindes austragen. Im letzten Sommer hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass die Staaten vor lauter Empörung nicht so tun dürfen, als habe ein von einer Leihmutter ausgetragenes Kind nicht einmal einen biologischen Vater mehr. Und erst im Dezember hat der Bundesgerichtshof daraus die Konsequenzen gezogen und bestimmt, dass im Interesse des Kindes ausländische Gerichtsentscheidungen, die das Kind den Besteller-Eltern zuweisen, in Deutschland anerkannt werden können.

Das hat in der konservativen Presse allerhand Händeringen ausgelöst, was nicht weiter schlimm wäre. Heute hat aber der Straßburger Gerichtshof eine Kammerentscheidung veröffentlicht, die zeigt, wie weit der Gerichtshof diese Linie zu treiben bereit ist. Meine Vermutung: das wird noch richtig Ärger geben. Und zwar nicht nur bei solchen, die sich um das traditionelle Mutterbild grämen.

Ein kinderloses Paar aus Italien hatte nach jahrelangen erfolglosen In-Vitro-Fertilisations- und Adoptiv-Versuchen schließlich sein Schicksal einem russischen Anwalt namens Konstantin Svitnev anvertraut. Der ist Geschäftsführer des Unternehmens Rosjurconsult, das ihnen für 49.000 Euro eine gespendete Eizelle und eine Leihmutter vermittelte. Anschließend trieb Herr Svitnev das Konzept One-Stop-Shop dadurch auf die Spitze, dass er die beiden hinterher obendrein als Anwalt vor dem Gerichtshof in Straßburg vertrat.

Leihmutterschaft ist in Russland legal und ein großes Geschäft, mit vielen dunklen Flecken. Ein solcher fand sich auch im Fall der beiden Kläger: Die Behörden verlangten einen Abstammungstest, und bei dem stellte sich heraus, dass der vermeintliche Vater tatsächlich mit dem Kind biologisch gar nicht verwandt war. Angeblich ein Fehler des Labors, das die Spermien verwechselt hatte ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK