Zum Umgang des Strafverteidigers mit der Presse

von Mirko Laudon

In Kapitalstrafsachen, der Wirtschaftskriminalität, aber auch bei Sexualdelikten sieht sich der Strafverteidiger häufig mit der versammelten Presse konfrontiert, die einerseits auf Information drängen und andererseits den Angeklagten fotografisch und filmisch festhalten wollen. In dieser Situation wird dem Verteidiger viel Erfahrung im Umgang mit den Medien abverlangt.

Berechtigtes öffentliches Interesse am Freispruch von Christian Wulff // Foto: Bernd Schwabe (CC BY-SA 3.0)

Berechtigtes Informationsinteresse der Öffentlichkeit

Zunächst ist grundsätzlich zu fragen, ob die Öffentlichkeit überhaupt ein Informationsinteresse hat. Die Pressefreiheit, auf die sich Medienvertreter allzu gern berufen, besteht nämlich nicht um seiner selbst willen, sondern resultiert aus einem Informationsinteresse der Öffentlichkeit.1 Ein berechtigtes Informationsinteresse der Öffentlichkeit besteht grundlegend nur in Verfahren schwerer und mittlerer Kriminalität, bei dessen Gewichtung insbesondere die Schwere der dem Angeklagten zur Last gelegten Straftat maßgeblich zu berücksichtigen ist.2 Gewöhnliche Delikte, die lediglich zur Veranschaulichung der Arbeit der Gerichte im Allgemeinen dienen, begründen generell keine Berichterstattung über einen Angeklagten. Das öffentliche Informationsinteresse setzt vielmehr erst ein, je mehr die Straftat sich von der gewöhnlichen Kriminalität abhebt, etwa aufgrund der Art der Begehung oder der Besonderheit des Angriffsobjekts3. Dies mag wohl bei Kapitalverbrechen und großen Wirtschaftsstrafverfahren der Fall sein, nicht zwingend jedoch bei jedem (nahezu alltäglich vorkommenden) Sexualdelikt.

Die anwaltliche Verschwiegenheit

Die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht ist tragender Pfeiler des Vertrauens des Mandanten in den Rechtsanwalt. Diese Schweigepflicht gilt selbstverständlich auch dort, wo das Geheimnis schon bekannt zu sein scheint, was bei Medienanfragen häufig der Fall ist ...

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