Fall Hoeneß II: Strafzumessung nachgemessen

von Oliver García

Vor einem knappen Jahr verhängte das LG München II gegen den Sportmanager und Wurstunternehmer Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen eine Gesamtfreiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren (Urteil vom 13. März 2014 – W5 KLs 68 Js 3284/13). Seitdem wird diskutiert, ob die Strafe – gemessen am allgemeinen Strafniveau für solche Taten – nicht auffällig niedrig war (zuletzt in der aktuellen myops: Jochen Zenthöfer, myops 23/2015, S. 38-77 [Auszug]) und ob Hoeneß bei der Strafvollstreckung ungerechtfertigte Vergünstigungen genießt.

Letzten Monat hatte das LG München II einen weiteren Fall Hoeneß aufzuarbeiten – angeklagt war eine versuchten Erpressung zu Lasten von Uli Hoeneß – und dort scheint das Pendel der Gerechtigkeit in die andere Richtung ausgeschlagen zu haben. Eine größere Diskussion zur Strafzumessung in dem am 16. Dezember 2014 ergangenen Urteil – 2 KLs 69 Js 14783/14 – ist, soweit ich sehe, bislang ausgeblieben. Die Tat des Angeklagten war ihrerseits eine Reaktion des Ärgers über die aus seiner Sicht zu geringe Strafe im Fall Hoeneß I. So jedenfalls die Einlassung des Angeklagten, der das Gericht wahrscheinlich gefolgt ist. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Wie die Pressestelle des OLG München mitteilte, hat die Verteidigung gegen dieses Urteil Revision eingelegt. Die schriftlichen Urteilsgründe müssen mittlerweile abgefaßt sein (§ 275 Abs. 1 Satz 2 StPO), sind aber noch nicht veröffentlicht. Ebenso wie im Fall Hoeneß I (hierzu wieder Zenthöfer, myops) täte die Justizverwaltung auch hier gut daran, sie nicht zurückzuhalten, nicht zuletzt wegen der Parallelen der beiden Fälle Hoeneß: Hohe Anteilnahme der Öffentlichkeit an den Verfahren, im Tatsächlichen einfach gelagerte Fälle, zweifelhafte Strafzumessungsentscheidungen.

Der Sachverhalt läßt sich mosaikartig durch die Presseberichterstattung erschließen ...

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