„Geld spielt keine Rolle, Herr Anwalt. Hauptsache, du holst mich hier raus!“

von Rainer Pohlen

Es gibt Mandanten, von denen nicht ganz wenige einer bestimmten Bevölkerungsgruppe – bisweilen mit Migrationshintergrund – zuzurechnen sind, die sprechen und verstehen die deutsche Sprache ganz gut, haben es sich aber aus alter Familientradition heraus zur Gewohnheit gemacht, jeden zu duzen, von dem sie etwas wollen. Dazu gehören zum Beispiel Kunden, denen sie etwas verkaufen wollen, oder auch Anwälte, die benötigt werden, wenn die Kunden später an den Umständen des Kaufs oder an der Qualität des Kaufgegenstandes etwas zu mäkeln haben. Oder wenn ihnen anlässlich des Kaufs Sachen von bedeutendem Wert abhanden gekommen sind.

So ein „Du“ schafft Vertrauen, denken diese Mandanten vielleicht, und bleiben auch dann dabei, wenn sie konsequent zurückgesiezt werden oder wenn man ihnen klar zu machen versucht, dass man doch nicht – wie wir hier am Niederrhein bisweilen sagen – schon vor Jahrzehnten „gemeinsam in ein Küllken gepinkelt“ hat.

„Du musst entschuldigen, Herr Anwalt, aber ich bin das „Du“ so gewohnt! Ich kann gar nicht anders“, wird dann feixend gesagt. Vor Gericht stellt sich später bisweilen heraus, dass zumindest der Herr Richter oder die Frau Richterin gesiezt werden können. So eine Prozessatmosphäre legt möglicherweise bestimmte Synapsen im Gehirn um und fördert bis dahin ungeahnte Fähigkeiten zu Tage.

Ich bin seit jeher ein Mensch, der sich recht schnell mit anderen duzt, habe also grundsätzlich kein Problem damit. Allerdings weiß ich auch, dass es in meinem Beruf angesagt sein kann, eine gesunde Distanz zu den Mandanten zu halten; allzu vertraulich soll es bei allem Engagement nicht unbedingt werden. Und außerdem schafft so ein „Sie“ bisweilen auch den Respekt, der notwendig ist, um sich sachlich mit dem Mandanten auseinandersetzen zu können. („Du Arschloch!“ ist leichter dahergesagt als „Sie Arschloch!“, das lehrt das Leben ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK