Der Klang der Wörter

von Philip Stühler Walter

Es gibt Wörter, die bei Arbeitnehmern unterschiedliche Emotionen und Reaktionen auslösen können.

Erstaunlicherweise löst schon eine Bemerkung des Arbeitgebers, die das Wort "Abmahnung" enthält, gerne Schweißausbrüche beim Arbeitnehmer aus. Von der konkreten Drohung mit der Abmahnung oder deren Ausspruch ganz zu schweigen. Dabei ist die allgemeine Angst vor der Abmahnung gar nicht so gerechtfertigt, wie das landläufig so angenommen wird. Bei einer Abmahnung passiert technisch nicht viel mehr, als dass der Arbeitgeber ein (günstigstenfalls) bestimmtes Fehlverhalten des Arbeitnehmers rügt und für den Wiederholungsfall arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung ankündigt. Handelt es sich um ein wirkliches Fehlverhalten, das auch Anlass zur Kündigung geben könnte, sollte man sich jetzt tunlichst auch wirklich gewarnt fühlen und das Verhalten nicht noch einmal an den Tag legen. Ist das nicht der Fall, kann der Arbeitgeber auch zu einem späteren Zeitpunkt, etwa in einem Kündigungsschutzprozess nichts mit der Abmahnung anfangen. Sicher sollte man eine Abmahnung nicht auf die leichte Schulter nehmen aber die Angst, die allgemein vor ihr herrscht, ist wahrlich nicht angezeigt. Die Abmahnung hat nämlich noch eine ganz wesentliche weitere Aussage des Arbeitgebers: "hiermit ist die Sache für mich dann aber auch gegessen."

Regelmäßig ist es nicht wirklich erforderlich, wegen einer Abmahnung einen Prozess vom Zaun zu brechen. Es reicht hier meist vollkommen aus, eine Gegendarstellung zu schreiben; diese muss der Personalakte dann unmittelbar hinter der Abmahnung beigefügt werden. Überzieht einen der Arbeitgeber allerdings erkennbar mit einer ganzen Reihe erdichteter Abmahnungen mit dem ersichtlichen Ziel, einen raus zu ekeln, dann sollte man doch mal auf Herausnahme der Abmahnungen aus der Akte klagen ...

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