Erlaubt und doch verboten: auch Kanada rekriminalisiert Prostitution

von Nikola Schmidt

SexarbeiterInnen in Kanada haben es nicht leicht, ihrer Arbeit nachzugehen. Bordelle sind verboten, Werbung ist verboten, Zuhälterei ist verboten, Freier auf der Straßen anzusprechen ist verboten. Nur die Transaktion selbst, wie es der Kanadische Supreme Court 1990 formulierte, war bisher erlaubt. Doch seit dem 6. Dezember 2014 ist es auch damit vorbei. Denn Kanada hat nach schwedischem Vorbild das sogenannte „Sexkaufverbot“ eingeführt.

Schweden war 1999 das erste Land, das der Prostitution durch die Strafbarkeit nicht der in dem Gewerbe tätigen Menschen selbst, sondern ihrer Kunden entgegenwirken wollte. Und wurde dadurch für viele zum Vorreiter der Bekämpfung von Ausbeutung und Gewalt. Viele andere allerdings sehen in dem Modell eine bloße Symbolpolitik, die die zu schützenden Menschen in Wirklichkeit größeren Gefahren aussetze als vorher.

Norwegen und Island erließen daraufhin ähnliche Regelungen, auch in Frankreich wurde der schwedische Ansatz erwogen. In der Bundesrepublik dagegen ist Prostitution seit langem nicht mehr strafbar, und seit 2002 das Prostitutionsgesetz in Kraft trat, ist sie auch zivilrechtlich reguliert. Die Bundesregierung arbeitet zwar an einem Gesetzesvorschlag zur Strafbarkeit der Freier von Menschenhandelsopfern, plant jedoch darüber hinaus kein allgemeines Verbot, sexuelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Weltweit sind die Regelungen zur Prostitution so unterschiedlich wie die Meinungen darüber. In den USA machen sich SexarbeiterInnen in fast allen Bundesstaaten strafbar. Und in Kanada wurde das de-facto-Verbot nun zu einem echten Verbot – zumindest für die Kunden.

Die ewige Prostitutionsdebatte

Wie immer, wenn es um Prostitution geht, sind die Meinungen darüber tief gespalten. Das Thema ist emotional und polarisiert deshalb, wie es nicht zuletzt vergangenes Jahr die von Alice Schwarzer angestoßene Prostitutionsdebatte in der deutschen Öffentlichkeit beobachten ließ ...

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