Der Witwenstreit {Ein Mehrakter}

von Liz Collet

Nicht des königlich bayerischen Amtsgerichts. Nicht aus der Feder eines Ludwig Thoma oder Ganghofer.

Aber ein Mehrakter, der die Fantasie für bühnenreife Szenen kitzelt. Mit der Feder Strich der Urteile des Falles.

Gspuit werd’,… pardon: gespielt wurde der Fall beim Oberlandesgericht Hamm.

Dort hinterliess ein Ehemann nach seinem erbleichendem Ableben mehr als eine Ehefrau, von denen mindestens eine ebenfalls erblicht, als sie von der Erbeinsetzung der anderen erfuhr.

Sie sehen schon, bevor Sie nun die Details der Entscheidung des OLG Hamm lesen können, büchst mir die Feder aus. Die der angekitzelten fiesen Fantasie. Wir stellen uns das mit dem Erbleichen so gern so vor, weil es hübsch in die Dramaturgie passt. Ein wenig angehauchte und angedeutete Ohnmacht fügt sich leichterhand ebenso ins Geschehen. Je nach Wunsch können wir die vom letzten Wunsch des Verblichenen Be- und ins Mark und Bein getroffene Witwe natürlich auch bis zur Zornesröte von der Theaterregie treiben lassen. Die Variante finde ich allerdings charmanter, wenn der Mehrakter als Stück für die Krimibühne – der Blutenburg oder einer anderen – angelegt sein soll, um dem Stück für den zweiten Akt und der Witwe für mörderische Revanchepläne und eher im Straf- als im Erbrecht angesiedelte Lösungen die erforderliche Energie und Rage zum Rouge zukommen zu lassen.

Curtains up! Das Spiel beginnt.

Der Erblasser hat ausgehaucht. Sein Leben. Das hat er erst mit einer Dame ehelich geteilt, nach dafür vorgesehener rechtlich gebotener Prozedur der Scheidung, dann mit einer anderen. Begrifflich haben wir es (ich gestehe eine Titelmogelei des Postes an dieser Stelle) genau genommen also nur mit einer Witwe und einer Ex-Ehefrau zu tun. Letztere aber muss noch einen hübschen Stein im Brett des Erblassers gehabt haben, bevor er nun seinen letzten Platz unter einem Grabsteindl erhält. Denn sie wurde im Testament als Erbin bedacht ...

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