Der Islam und die Freiheit des Wortes: Vollstreckung einer martialischen Strafe gegen Raif Badawi hat begonnen. Steht auf, friedliebende Muslime!

von Rainer Pohlen

Ich habe einige Freunde und natürlich auch eine Menge Mandanten, die Muslime sind. Nicht alle sind sonderlich religiös, etliche von ihnen trinken Alkohol, hören “westliche” Musik und manche essen auch Schweinefleisch. Wobei das jeder von ihnen selbst entscheiden soll, wie er oder sie das halten will.

In den letzten Tagen habe ich etliche Gespräche mit muslimischen Freunden geführt, die sich alle entsetzt über das Massaker bei Charlie Hebdo und den feigen Überfall auf den “koscheren” Supermarkt an der Port de Vincennes und über das Boko-Haram-Massaker im Norden Nigerias gezeigt haben und sich natürlich davon distanzierten. “Das hat nichts mit dem Islam zu tun”, war wiederholt zu hören, und nicht anders äußerten sich in den letzten Stunden ja auch viele Repräsentanten von Muslim-Organisationen im In- und Ausland.

Auch Saudi-Arabien hat die Anschläge auf Charlie Hebdo entschieden verurteilt, was die erzkonservativen Muslime dort unten aber nicht davon abgehalten hat, gestern mit der Vollstreckung einer martialischen Strafe gegen den unbequemen Internet-Aktivisten Raif Badawi zu beginnen, dessen “Verbrechen” darin besteht, schon im Jahr 2008 die Website “Freie saudische Liberale” gegründet und in der Folgezeit die Auffassung vertreten zu haben, dass alle Menschen gleich welcher Religionszugehörigkeit, auch Christen, Juden und Atheisten, gleichwertig seien. Badawi hat eine öffentliche Diskussion über die Politisierung der Religion durch das geistliche Establishment gefordert und im Jahr 2012 trotz erheblicher vorangegangener Schikanen einen” Tag der saudischen Liberalen” ausgerufen, was ihm letztlich eine zehnjährige Freiheitsstrafe, zusätzlich eine beachtliche Geldstrafe und die Verurteilung zu 1.000 Peitschenhieben einbrachte. Weil niemand 1.000 Peitschenhiebe überleben kann, wenn sie auf einmal verabreicht werden, soll die Strafe sukzessive in 20 Etappen im Wochenabstand – jeweils nach dem Freitagsgebet - vollstreckt werden ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK