Ich bin Charlie Hebdo (bin ich?)

von Maximilian Steinbeis

Wie Tausende andere habe ich gestern den spontanen Drang empfunden, in den “Je-suis-Charlie”-Chor einzustimmen. Wir alle wollen uns mit den Opfern solidarisieren, die ihr Leben für unser aller Meinungs- und Pressefreiheit aufs Spiel gesetzt und verloren haben. Wir wollen es ihnen gleichtun, wir wollen uns diese Freiheit nicht nehmen lassen, wir wollen uns nicht auf die Knie zwingen und einschüchtern, wir wollen uns nicht terrorisieren lassen, und was gäbe es für einen besseren Weg, dies zu tun und öffentlich zu zeigen, als ohne langes Federlesen eine möglichst gepfefferte Mohammed-Karikatur zu posten?

Ich habe es nicht getan. Warum nicht? Der Grund ist, dass ich – bei allem tiefen Respekt vor dem Mut und dem Opfer der Charlie-Hebdo-Redaktion – nun mal leider den Propheten Mohammed nicht albern finde. Fand ich noch nie, fand ich auch gestern nicht, und finde ich auch heute nicht. Charlie Hebdo findet das, und viele andere auch. Aber ich bin, mit Verlaub, anderer Meinung.

Schreckenstaten wie das gestrige Massaker in Paris haben es an sich, dass sie uns Dichotomien aufzwingen wollen, mächtige, alles erfassende Gegensätze: wir gegen euch. Gut gegen böse. Freund gegen Feind. Westen gegen Osten. Abendland gegen Morgenland. Innen gegen Außen. Das kann etwas regelrecht Befreiendes haben, von der Macht einer solchen Dichotomie ergriffen zu werden, in unserer globalisierten und entsprechend relativ dichotomiearm gewordenen Welt allzumal ...

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