Schönes Mandat: Das Model und der Anwalt

von Philipp Obladen

Vor geraumer Zeit kam in unsere Kanzlei ein Model -sehr aufgeregt- und berichtete, dass man sie ohne ihre Erlaubnis auf einer Messe fotografiert habe und der Messebetreiber nun das Foto für Flyer, Plakate und eine Internetseite nutze. Aus anwaltlicher Sicht: Ein sprichwörtlich schönes Mandat!

Der Messebetreiber wurde abgemahnt und zur Abgabe einer Unterlassungserklärung sowie Zahlung eines angemessenen Schadenersatzes und Erstattung der Rechtsverfolgungskosten aufgefordert. Eine Unterlassungserklärung wurde abgegeben und die Anwaltskosten der Abmahnung wurden beglichen. Der Messebetreiber war jedoch der Auffassung, dass höchstens 200 Euro Schadenersatz angemessen seien. Das wiederum gefiel unserer Mandantin nicht. Sie ist zwar sicherlich kein international bekanntes Supermodel, aber in der Vergangenheit immerhin bereits für größere Agenturen tätig geworden. Zudem kann sie von sich behaupten, bereits für einen deutschen Designer fotografiert worden zu sein, der nachmittags gerne Shoppingköniginnen im Privatfernsehen sucht. Inzwischen arbeitet sie für eine international bekannte Modelagentur in London. Mit ihrer Modeltätigkeit finanziert sie sich ihr Studium.

Unserer Mandantin blieb schließlich nichts anderes übrig, als den Messebetreiber zu verklagen. Das Gericht war ebenfalls der Auffassung, dass 200 Euro zu wenig seien, sodass sich unsere Mandantin mit dem Messebetreiber auf einen deutlich höheren Schadenersatz einigen konnte – das Weihnachtsfest dürfte also für das Model gerettet sein und der Messebetreiber hat hoffentlich gelernt, dass man nicht einfach so fremde Menschen –und schon gar nicht Models- fotografieren darf.
Wir möchten diesen Fall nutzen, um die spannende Frage aufzuwerfen, wie hoch der Schadenersatz sein kann, den ein Model bei der unerlaubten Anfertigung von Fotos verlangen kann ...

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