Den guten Sitten zuwider

von Liz Collet

Eine Arbeitgeberin meint, sie habe ihre Mitarbeiterin rechtmässig vergütet.

Keine Überraschung. Diese Sichtweise liegt bei Arbeitgebern schier in der Wirbelsäule angelegt und verankert. Aus gutem Grund, ein stabiles Rückgrat muss man haben als Arbeitgeber, seit man nicht mehr die Peitsche einsetzen und sich so und sonst auch Autorität und Alleinentscheidungsgewalt über die Tagelöhner oder Sklaven ausleben kann.

Dort im Rückgrat muss sie seit solchen märchenhaften Zeiten schliesslich jeglichem Ansinnen auf so irrwitzige Ideen wie Mindestlohn oder gar Tariflöhne und (atmen Sie tief durch, es gibt wirklich Mitarbeiter, die sowas haben wollen) Gehaltserhöhung, Urlaubs- oder Weihnachtsbonus standhaft Widerstand bieten.

Schlimm genug, dass man Mitarbeiter beschäftigen muss, um Umsatz oder Gewinn zu machen und eigenes Einkommen zu erwirtschaften und solche auch noch zu bezahlen ist Zumutung genug, wo Personal selten wirklich qualifiziert ist.

Über- oder überhaupt qualifiziertes Personal kann man nicht einstellen, die haben eh nur Ansprüche und gar noch eigenes Selbstbewusstsein, dass ihre Arbeit auch Gegenwert wert sei, der es verdiene, sich auch noch in Verdienst niederzuschlagen.

Und man kann sich Löhne ja nicht aus den Rippen schneiden, nicht wahr, nur weil dieser arbeitswillige und arbeitende Teil der Menschheit, der nicht selbst Unternehmer ist, auch noch Geld will.

Da träumt mancher von Zeiten, die sich (für ihn bedauerlich) nicht wiederholen, jedenfalls nicht im zivilisierten Teil der Welt. Ausser im ZDF, da wiederholt man Serien mit paradiesischen Zuständen, wo die Fackel und Fahne noch hochgehalten wurde für Gutsbesitzer und Unternehmer alten Schlages, die Schläge noch zu wertschätzen wussten. Also Schläge, die sie austeilten – bien entdendu. Serien über stürmische Bürgerkriegszeiten ...

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