Strafmaß-Eiertanz mit Feingefühl

von Peter Ratzka

Der Willi hatte sich geprügelt. Gemeinsam mit anderen, hatte er die Gegner wohl nicht besiegt, aber zumindest ein wenig verletzt. Das führte dazu, dass der Willi wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt wurde. Dies an sich ist noch nicht weiter dramatisch.

Das Verfahren zog sich gut zwei Jahre hin. In der Zwischenzeit, und genau darin bestand das Problem, wurde der Willi wegen des mehrfachen Handels mit bunten lustigen Pillen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Das war nun ein Problem. Denn diese Freiheitsstrafe war, wie wir Juristen so schön sagen, gesamtstrafenfähig. D.h., dass aus der neuerlichen Strafe wegen der möglicherweise begangenen gefährlichen Körperverletzung und der vorherigen Freiheitsstrafe von zwei Jahren eine Gesamtstrafe zu bilden wäre, die dann in der Regel mehr als zwei Jahre beträgt, was eine Aussetzung zur Bewährung unmöglich macht. Im Falle einer Verurteilung und bei der Bildung einer Gesamtstrafe wäre daher der Willi zwingend eingefahren.

Der Willi hatte also ein Problem, insbesondere da sich im Rahmen der Beweisaufnahme herausstellte, dass eine gefährliche Körperverletzung hier wohl vorlag. Denn immerhin handelten die Täter gemeinschaftlich. Wäre es lediglich eine einfache Körperverletzung gewesen, so hätte diese mit einer Geldstrafe geahndet werden können. Dies hätte die Möglichkeit ergeben, neben der bereits verhängten Freiheitsstrafe eine separate Geldstrafe bestehen zu lassen, also keine nachträgliche Gesamtstrafe zu bilden (§ 53 Abs. 2 StGB) ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK