Auf die Einstellung kommt es an: Der Knast als positive Lebenserfahrung

von Rainer Pohlen

Solche Mandanten trifft man nicht alle Tage:

Gestern suchte mich ein ehemals selbständiger Unternehmer – nennen wir ihn Harald Gruber – auf, der im vergangenen Jahr wegen eines Insolvenzdeliktes mit den typischen Begleitstraftaten (Beitragsvorenthaltung, Eingehungsbetrug in etlichen Fällen) von einem süddeutschen Gericht in 2. Instanz zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten verurteilt worden war. In Anbetracht der Gesamtumstände ging das Berufungsurteil auch aus Verteidigersicht in Ordnung, zumal gegenüber der erstinstanzlichen Entscheidung eine beträchtliche Verbesserung erreicht worden war. Der Mann hat als Selbststeller 3 Monate im geschlossenen Vollzug und danach weitere 10 Monate im offenen Vollzug verbracht und ist nach Verbüßung von Halbstrafe vorzeitig entlassen worden.

Gruber hatte bis zu den abgeurteilten Taten einen tadellosen Lebenswandel geführt. Jedenfalls ist weder dem Gericht noch mir etwas anderes bekannt geworden. Er war ein wohlangesehenes Mitglied der Gesellschaft. Er stammt nicht aus einem sozialen Milieu, in dem Haftstrafen innerhalb des Umfeldes zum Alltag gehören. Eine erstmalige Hafterfahrung ist für solche Menschen in der Regel besonders bitter. Deshalb war ich neugierig zu erfahren, wie es ihm in der Haft ergangen ist.

Dass Gruber ein besonderer Mensch ist, hatte ich schon während des Berufungsverfahrens festgestellt, als wir etliche Verhandlungstage nebeneinander im Gerichtssaal verbracht und zwischendurch viele Gespräche geführt haben. Ihm ist im Laufe des Verfahrens bewusst geworden, welche Fehler er gemacht hat und dass auch das Bemühen, ein Unternehmen zu retten, nicht dazu führen darf, Rechtsnormen eigenmächtig zu suspendieren und wirtschaftliche Risiken ohne deren Wissen auf Vertragspartner abzuwälzen.

Harald Gruber hat seine Haftstrafe pünktlich angetreten und sich in der Haft an alle Regeln gehalten ...

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