Polizeibeamte sind auch nur Menschen

In der Justiz ist es allgemein bekannt: Zeugen sind die unsichersten Beweismittel. Denn: Irren ist menschlich.

Dennoch werden die Entscheidungen in Strafprozessen meist auf die (unzutreffenden?) Erinnerungen von Zeugen gestützt. Wenn diese dann das diametrale Gegenteil von dem aussagen, was der Mandant nur wenige Minuten zuvor in seiner Einlassung angegeben hat, kann dem Verteidiger schon mal warm unter der Robe werden. Erst recht, wenn es sich bei einem solchen Zeugen um einen mit dem Fall betrauten Polizisten handelt, dem als sogenannter “Berufszeuge” regelmäßig eine besonders gute Auffassungsgabe und Wiedergabefähigkeit sowie eine von Berufs wegen gegebene Neutralität und Objektivität zugeschrieben wird.

Doch wieso erzähle ich das? Weil es mir zuletzt selbst so erging.

Vor wenigen Tagen verteidigte ich in einer Strafsache vor einem nordrhein-westfälischen Amtsgericht. Strafrechtlich gesehen keine große Sache mit schwerer Strafandrohung, aber doch ein Verfahren, dessen Ausgang für die Reputation meines Mandanten von entscheidender Bedeutung war.

Ihm wurde vorgeworfen, sich der minderjährigen Nachbarstochter an verschiedenen Tagen nackt gezeigt und immer wieder ihren Blickkontakt gesucht zu haben, während er an seinem Glied manipulierte. Schließlich soll er sich dazu verstiegen haben, sie aufzufordern, sich ihm ebenfalls nackt zu zeigen.

Ein Vorwurf, der, wäre er zur Verurteilung gekommen, dazu geführt hätte, dass der Mandant sich in der Nachbarschaft nicht mehr hätte blicken lassen und sein soziales Leben in diesem Umfeld hätte beenden können.

Zum Glück (und vielleicht nicht nur aus Glück) kam es anders. Aber erst einmal der Reihe nach.

Der Mandant hat die Vorwürfe bestritten und sich über mich dahingehend eingelassen, dass die Vorwürfe der Nachbarstochter reine Phantasie seien ...

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