Grundrechte für Grundschüler

von Thorsten Koch


Die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Baden-Württemberg will auch Grundschüler über Grundrechte informieren und hat dazu eine Grundrechte-Fibel vorgelegt, in der zwei Comic-Figuren (ein Dachs und ein Rabe) die Grundrechte erläutern, um „Grundschulkinder an die Inhalte und die Bedeutung unserer Grundrechte heranzuführen“. Das ist zunächst einmal eine gute Idee. Auch muss die Vermittlung von Wissen über Grundrechte hier mit Blick auf die Zielgruppe auf Kosten der Genauigkeit gehen. Vereinfachungen und Vergröberungen sind der Preis der Verständlichkeit, so dass es sich verbieten dürfte, die grundrechtsdogmatische Lupe zu polieren um auf dieser Grundlage zur Textkritik zu schreiten. So mag man darüber hinwegsehen, dass es in der Einleitung heißt, „der deutsche Staat“ – gemeint ist hier allein der westdeutsche Staat“ sei nach dem zweiten Weltkrieg „neu gegründet“ (statt: neu organisiert) worden (S. 13).


Gleichwohl gibt die Broschüre auch Anlass zu kritischen Fragen. Im lawblog wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Passagen zu Art. 8 GG die unzutreffende Behauptung enthalten, wer für oder gegen etwas protestieren wolle, müssen dies vorher beim Rathaus anmelden und genehmigen lassen, und das mache auch Sinn, denn „wenn viele Menschen an einer Demonstration teilnehmen, muss die Polizei vorher die Straße sperren, damit keine Unfälle passieren“ (S. 52).


Dieser grobe Schnitzer ist aber noch steigerungsfähig: So wird die Versammlungsfreiheit sodann in einer Sprechblase dahin erläutert, das Versammeln werde den Menschen durch die Versammlungsfreiheit „ausdrücklich erlaubt“. Auch das ist grob falsch: Das Durchführen von Versammlungen ist kein Verhalten, dass verboten wäre, wenn man den Grundrechtsschutz aus Art. 8 hinwegdenkt ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK