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von Dietmar Dworschak

Blinde Juristen in Österreich CHANCENLOS? Obwohl zusätzlicher Organisationsaufwand vom Sozialministerium
übernommen wird scheuen sich Behörden und Kanzleien, blinde oder stark
sehbehinderte JuristInnen anzustellen.


In Österreich gibt es nur wenige blinde Juristen. Wie viele es genau sind, ist statistisch nicht erfasst; die meisten stehen im Bundes- oder Landesdienst. Seit 1. Jänner 2014 sind zwei blinde Juristen als Richter am neu geschaffenen Bundesverwaltungsgericht tätig. Das kann als eine Art „Durchbruch“ gewertet werden – bis zu diesem Zeitpunkt wurden blinde Juristen in Österreich nicht zum Richteramt zugelassen. Einige wenige hochgradig sehbeeinträchtigte Juristen sind als Rechtsanwälte tätig. In weiteren juristischen Kernberufen sind sie bisher nicht anzutreffen. Dass Österreich im internationalen Vergleich weit hinterherhinkt, zeigt ein Blick nach Deutschland, wo derzeit rund 70 blinde Richter amtieren und die Anzahl der blinden Rechtsanwälte deutlich höher liegt. Auch in den USA haben sich blinde Richter und Rechtsanwälte seit vielen Jahrzehnten etabliert – sie sind dort sogar in speziellen Vereinigungen organisiert. Das zeigt: Österreich hat Aufholbedarf.


Die Arbeitsweise blinder Juristen: Kaum ein Unterschied!

Die Arbeitsweise blinder Juristen unterscheidet sich von der ihrer sehenden Kollegen lediglich dadurch, dass sie sich zum Ausgleich ihrer Beeinträchtigung spezieller technischer Hilfsmittel bedienen. So wird bei der Arbeit am Computer der Bildschirm durch eine sogenannte „Braillezeile“ ersetzt. Das ist ein Ausgabegerät, welches in der Lage ist, den auf dem Bildschirm angezeigten Text in Brailleschrift darzustellen. Der Text wird durch Abtasten der Braillezeile mit den Fingerkuppen gelesen. Damit die Braillezeile vom Computer angesteuert werden kann, ist die Installation einer speziellen Software (Screenreader) erforderlich ...

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